Wie ein 200-Seelen-Dorf zum Geheimtipp für Theaterfans und Naturliebhaber wird
Toralf ZänkerWie ein 200-Seelen-Dorf zum Geheimtipp für Theaterfans und Naturliebhaber wird
Netzeband, ein winziges Dorf mit weniger als 200 Einwohnern, ist in diesem Sommer erneut Austragungsort des jährlichen Theatersommer-Festivals. Von Mitte Juni bis Ende August wird hier Unter dem Milchwald von Dylan Thomas in einem einzigartigen, grasbewachsenen Freilichttheater aufgeführt.
Vor drei Jahrzehnten startete das Festival mit einem Aufruf an die Dorfbewohner, Puppen zu basteln und das Stück aufzuführen. Heute verbindet es professionelle Schauspieler mit dem Engagement der Gemeinde unter dem Konzept des „synchronisierten Theaters“. Die Puppen, gefertigt aus alltäglichen Haushaltsgegenständen, verleihen der Inszenierung eine schlichte, aber charmante Note.
Das Amphitheater selbst wurde vom Landschaftsarchitekten Horst Wagenfeld gestaltet, der auch die Dorfkirche und die Gaststätte vor dem Verfall rettete. Schauspieler, Regisseur und Dramatiker Frank Matthus gründete den Theatersommer und ist bis heute seine treibende Kraft. Doch nicht nur die Kultur blüht hier auf: Die umliegende Kyritz-Ruppiner Heide – einst Militärübungsgelände – ist heute Lebensraum für 79 Vogelarten, davon 28 bedrohte.
Kulturell erlebt das Dorf auch musikalisch eine Renaissance: Der in den USA geborene Tenor J. Warren Mitchell tritt in der Temnitz-Kirche von Netzeband auf. Selbst die Abfahrt des Regionalexpress 6 wird von Vogelgesang begleitet – ein passender Klangteppich für diese idyllische Umgebung.
Der Theatersommer Netzeband bleibt ein lebendiges Fest von Kunst, Gemeinschaft und Natur. Die Open-Air-Aufführungen und kulturellen Veranstaltungen locken Besucher in das kleine Dorf, während die umgebende Heidelandschaft ein Refugium für seltene Tierarten bleibt.
