Deutsche Firmen scheitern an der Umsetzung digitaler Souveränität trotz hoher Priorität
Janin FinkeDeutsche Firmen scheitern an der Umsetzung digitaler Souveränität trotz hoher Priorität
Eine neue Studie zeigt: Deutsche Unternehmen bewerten ihre digitale Souveränität mit knapp 66 Prozent. Das geht aus dem Digital-Souveränitäts-Index (DSI) hervor, einer gemeinsamen Untersuchung des IT-Dienstleisters Adesso und des Handelsblatt Research Institute. Zwar erkennen die meisten Firmen die Bedeutung des Themas an, doch nur wenige haben konkrete Maßnahmen ergriffen.
Laut Index verankern lediglich 13 Prozent der Unternehmen digitale Souveränität in ihrer Kernstrategie. Stattdessen überlassen 46 Prozent die Entscheidungen der IT-Abteilung, wo der Fokus oft auf Cloud-Diensten und Sicherheit liegt. Nur ein Viertel der befragten Firmen weist die Verantwortung der Führungsebene zu.
Trotzdem sind sich 92 Prozent der Befragten einig, dass digitale Souveränität wichtig ist. Doch nur 21 Prozent haben einen eigenen Plan dafür entwickelt. Viele Unternehmen setzen nach wie vor stark auf nicht-europäische Anbieter für kritische Technologien – etwa im Cloud-Computing, bei KI oder Software.
Mark Lohweber, Vorstandsvorsitzender von Adesso, warnte, dass Unternehmen die strategischen Risiken häufig unterschätzen. Zwar strebten sie im Schnitt einen Souveränitätsgrad von 77,8 Prozent an, doch volle Unabhängigkeit sei nicht das Ziel. Die Studie ergab zudem, dass 80 Prozent der Firmen bereit wären, für souveräne Lösungen einen Aufpreis zu zahlen – im Schnitt etwa 17 Prozent mehr.
Die Untersuchung offenbart eine Kluft zwischen Bewusstsein und Handlung. Deutsche Unternehmen erkennen zwar den Bedarf an größerer Kontrolle über die digitale Infrastruktur, doch bei der Umsetzung hapert es. Da die meisten weiterhin von ausländischen Anbietern abhängig sind, könnte der Druck auf höhere Souveränitätsgrade künftige Investitionsentscheidungen prägen.






