09 June 2026, 20:10

1973: Wie mutige Frauen in Neuss für Lohngerechtigkeit kämpften

Wenn Frauen ihre Chefs auf die Knie zwangen

1973: Wie mutige Frauen in Neuss für Lohngerechtigkeit kämpften

Im August 1973 legten Arbeiter:innen im Pierburg-Werk in Neuss einen mutigen Streik für faire Löhne hin. Die Proteste begannen mit Hunderten von Frauen, die unter dem Motto „Eine Mark mehr!“ gleiche Bezahlung forderten – ein Ruf, der bald männliche Kollegen, Migrant:innen und sogar lokale Künstler:innen vereinte. Was als inoffizieller Arbeitsniederlegung begann, entwickelte sich zu einer historischen Solidaritätsbewegung.

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Der Streik brach am 13. August 1973 aus, angeführt von etwa 200 bis 300 Frauen, die nach dem Tarif „leichte Arbeitsgruppe 2“ beschäftigt waren. Obwohl sie dieselben Aufgaben wie ihre männlichen Kollegen erledigten, verdienten sie deutlich weniger. Ohne offizielle Unterstützung der Gewerkschaften nahmen die Frauen die Sache selbst in die Hand.

Ihr Protest griff schnell um sich. Männliche Arbeiter, Kolleg:innen mit Migrationshintergrund aus ganz Europa und sogar Künstler:innen schlossen sich solidarisierend an. Die Belegschaft des Werks – größtenteils weiblich und vielfältig – stand geschlossen gegen Lohndiskriminierung.

Die Polizei ging mit Härte gegen die Streikenden vor und schlug den Protest gewaltsam nieder. Spätere Berichte enthüllten, dass ein Beamter rassistische Beleidigungen gegen die Demonstrant:innen gerichtet hatte. Doch der Druck zeigte Wirkung: Am Donnerstag begannen Verhandlungen. Schon am nächsten Tag lenkten die Arbeitgeber ein – sie boten eine Lohnerhöhung von 53 bis 65 Pfennig an und – entscheidend – schafften die Einstufung „leichte Arbeitsgruppe 2“ ab.

Der Pierburg-Streik gelang, wo viele zuvor gescheitert waren. Die Abschaffung des „leichten Arbeitsgruppe-2“-Tarifs im Werk – und später bundesweit – markierte einen Wendepunkt für Lohngerechtigkeit. Zudem wurde er zu einem der ersten großen Streiks in Deutschland, bei dem sich Männer konsequent an die Seite ihrer Kolleginnen stellten.

Quelle