Zwei Berliner Fotoausstellungen erkunden menschliche Geschichten zwischen Alltag und Euphorie
Janin FinkeZwei Berliner Fotoausstellungen erkunden menschliche Geschichten zwischen Alltag und Euphorie
In Berlin haben zwei neue Fotoausstellungen ihre Tore geöffnet, die jeweils einen ganz eigenen Blick auf visuelles Erzählhandwerk bieten. In der Galerie ep.contemporary versammelt Show Your Darling V unter dem Motto "Alle Fehler korrigiert!" Werke von 38 Fotograf:innen, während die Galerie Crone mit "Unseen" eine Einzelausstellung des Künstlers Daniel Josefsohn präsentiert. Beide Schauen sind noch bis Mitte November zu sehen und laden ein, gegensätzliche Interpretationen menschlicher Erfahrung und künstlerischen Ausdrucks zu erkunden.
Die Gruppenausstellung Show Your Darling V wurde von Sabine Wild kuratiert, die 38 Künstler:innen einlud, jeweils ein Werk beizusteuern. Die Arbeiten setzen sich mit dem Thema "Alle Fehler korrigiert!" auseinander – von praktischen Lösungen bis hin zu rechtlichen Verpflichtungen. Norbert Holicks Fotografie zeigt etwa die mit durchsichtigem Klebeband geflickte Heckleuchte eines Mini: eine schlichte, doch aussagekräftige Gegenüberstellung von persönlichem Bedarf und offiziellen Vorgaben. Die Ausstellung ist in der ep.contemporary noch bis zum 18. Oktober zu sehen; ein Katalog ist für 10 € zzgl. Versand über die Galerie oder per E-Mail an wild[at]kunstwild.de erhältlich.
Parallel dazu zeigt die Galerie Crone"Unseen", eine Sammlung von Fotografien Daniel Josefsohns, darunter "Ohne Titel, 1996" (archiviert als DJo/F96-014). Das Bild hält ein sorgloses Mädchen unter der Dusche fest und verkörpert so den euphorischen Zeitgeist der mittleren 1990er-Jahre nach dem Mauerfall. Josefsohn, bekannt für seine feinfühlige Darstellung der ungeschützten Naivität seiner Motive, grenzt sich damit von Zeitgenoss:innen wie Nan Goldin oder Wolfgang Tillmans ab. Der ehemalige Magazinfotograf mied kommerzielle Aufträge und füllte stattdessen seine Selbstporträts mit spürbarer Lebensfreude. Die Schau läuft bis zum 18. November.
Wie genau die Berliner Kunstszene der 1990er-Jahre Josefsohns Werk oder die breiteren kulturellen Strömungen in seinen Bildern prägte, bleibt unklar. Die verfügbaren Materialien konzentrieren sich auf seine jüngeren Ausstellungen, weniger auf den historischen Kontext.
Die beiden Ausstellungen bieten gegensätzliche, doch einander ergänzende Perspektiven auf die Kraft der Fotografie, Leben zu dokumentieren und neu zu deuten. "Show Your Darling V" endet am 18. Oktober, "Unseen" bleibt bis zum 18. November geöffnet. Beide zeigen Werke, die individuelle und kollektive Momente einfangen – von alltäglichen Reparaturen bis zur flüchtigen historischen Euphorie.