Zuckerrübenanbau in Deutschland kämpft mit sinkenden Flächen und neuen Schädlingen
Toralf ZänkerZuckerrübenanbau in Deutschland kämpft mit sinkenden Flächen und neuen Schädlingen
Zuckerrübenanbau in Deutschland gerät zunehmend unter Druck
Der Anbau von Zuckerrüben in Deutschland steht vor wachsenden Herausforderungen. Sinkende Preise, schrumpfende Anbauflächen und die zunehmende Konkurrenz durch zollfreie Importe zwingen viele Landwirte dazu, ihre Produktion zurückzufahren. In den vergangenen fünf Jahren ist die mit Zuckerrüben bestellte Fläche um etwa 12 Prozent zurückgegangen, während Kulturen wie Weizen und Mais stabil blieben oder sogar ausgeweitet wurden.
Laut Daten des Statistischen Bundesamtes und der Agrarmarkt Informations-Gesellschaft (AMI) verringerte sich die Anbaufläche für Zuckerrüben zwischen 2021 und 2025 von rund 43.000 auf etwa 38.000 Hektar. Gleichzeitig blieb der Weizenanbau mit 2,8 bis 3 Millionen Hektar konstant, und der Maisanbau stieg leicht von 2,4 auf 2,5 Millionen Hektar. Die Gründe für den Rückgang beim Rübenanbau liegen in starkem Preisdruck, neuen Krankheiten und Schädlingen – insbesondere der Zikade Hyalesthes obsoleta, die für das Syndrom des niedrigen Zuckergehalts (SBR) verantwortlich ist.
Resistente Unkräuter wie Hühnerhirse und Blattkrankheiten verschärfen die Probleme zusätzlich. Um gegenzusteuern, setzen Landwirte auf neue Pflanzenschutzmittel. Das kürzlich entwickelte Herbizid Rinpode zeigt Wirksamkeit gegen Hühnerhirse bereits bei einer geringen Aufwandmenge von nur 2 g/ha und schadet den Rüben selbst kaum. Erste Versuche deuten darauf hin, dass solche Innovationen die Erträge um 3 bis 7 Prozent steigern und den Zuckergehalt verbessern könnten.
Biostimulanzien wie Kinsidro Grow sind mittlerweile fester Bestandteil der Spritzprogramme im Rahmen der SBR/Stolbur-Initiative von Südzucker. Marius Feldmann, Betriebsleiter bei der Metternich-Ratibor-Corvey KG, setzt diese Produkte ein, um die Wirtschaftlichkeit zu erhalten. Zwar sind reguläre Zulassungen für Pflanzenschutzmittel bevorzugt, doch könnte politische Unterstützung für Notfallzulassungen in der Saison 2026 entscheidend sein, um die Produktion zu stabilisieren.
Ohne Gegenmaßnahmen droht die Rentabilität des Zuckerrübenanbaus weiter zu sinken – mit Risiken für die heimische Produktion und die regionale Versorgungssicherheit. Neue Herbizide, Fungizide und Biostimulanzien bieten zwar Lösungsansätze, ihr langfristiger Erfolg hängt jedoch von kontinuierlicher Unterstützung und günstigen Marktbedingungen ab.