03 April 2026, 00:17

Wie eine Berliner Künstlerin die osmanische Erzähltradition neu erfindet

Gemälde eines Mannes in Turban und langem Gewand, der auf einem Stuhl sitzt und eine Frau in einem bestickten Kleid mit Kopfschmuck neben ihm steht, mit ernsten Gesichtern und der Aufschrift "Türkisch" unten.

Wie eine Berliner Künstlerin die osmanische Erzähltradition neu erfindet

Eine traditionelle osmanische Erzählkunst erlebt in Berlin eine Renaissance

Im Bavul Café in Kreuzberg bringt Neslihan Arol die jahrhundertealte Theaterform des Meddah auf die Bühne – mit Humor, politischer Schärfe und einer feministischen Neuinterpretation einer einst von Männern dominierten Tradition.

Arols Weg zur Performance begann fernab der Theaterbretter: Zunächst studierte sie Chemieingenieurwesen, bevor sie sich für einen Master in Schauspiel entschied. Ihre Forschung widmete sie der Figur des Clowns als feministischem Werkzeug – angetrieben von der Frustration über die begrenzten Rollen für komische Frauen im klassischen Theater.

Heute besticht sie mit ihren Meddah-Auftritten durch Energie und mehrsprachiges Storytelling. Allein auf der Bühne lässt sie Dutzende Charaktere lebendig werden, verwebt Sprachen, Kulturen und pointierte Gesellschaftskritik. Ein kleines Teelicht, das bei jeder Vorstellung brennt, symbolisiert die Wärme und Menschlichkeit, die im Zentrum ihrer Kunst stehen.

Ein Sicherheitsvorfall zwang sie einst zu einer Änderung: Nach einem gefährlichen Zwischenfall mit einer alten Gaslampe setzt Arol nun auf eine schlichte Kerze – und bewahrt so den Geist der Tradition, ohne Risiken einzugehen. Seit 2014 hat sie sich in der Berliner Kunstszene einen Namen gemacht, auch wenn dokumentierte feministische Neudeutungen des Meddah selten sind.

Wo die Erzählkunst einst eine Männerdomäne war, eignet sie sich Arol mit mutigen Experimenten an. Ihre Shows brechen mit Konventionen, nutzen Lachen, um Normen zu hinterfragen und das Publikum zu befreien.

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Im Bavul Café ziehen ihre Auftritte weiterhin Publikum an – hier begegnen sich Tradition und moderner Aufbruch. Die Kerze, die sie jede Nacht entzündet, ist mehr als nur Requisit: Sie steht für eine leuchtende, inklusive Zukunft dieser uralten Kunstform. Arols Arbeit sorgt dafür, dass der Meddah lebendig bleibt und sich mit jedem neuen Publikum weiterentwickelt.

Quelle