01 February 2026, 00:11

Wie ein Erfurtener Betrieb die NS-Verbrechen in Auschwitz technisch ermöglichte

Eine dunkle Metalltafel an einer Gebäudewand mit der Inschrift "Tafel für die Opfer des Holocaust" in fetter Schrift, umgeben von einem dekorativen Rahmen.

Wie ein Erfurtener Betrieb die NS-Verbrechen in Auschwitz technisch ermöglichte

Ein jüngster Vortrag des Historikers Roland Vossebrecker hat die Debatte über das Erbe der Firma Topf & Söhne neu entfacht – jenes Unternehmens, das die Verbrennungsöfen für die NS-Vernichtungslager Auschwitz und andere Konzentrationslager konstruierte. Die Veranstaltung zog ein großes Publikum an, bei dem viele Teilnehmer fragten, wie der Holocaust angemessen erinnert werden kann, während gleichzeitig heutige Ungerechtigkeiten thematisiert werden. Vossebreckers Ausführungen verfolgten die düstere Geschichte des Unternehmens sowie sein problematisches Fortbestehen in der DDR nach 1945.

Gegründet in Erfurt, entwarf und perfektionierte Topf & Söhne die Krematorien, die in Auschwitz und anderen Konzentrationslagern eingesetzt wurden. Seine Ingenieure arbeiteten daran, die Massenermordung von 1,1 Millionen Menschen 'effizienter' zu gestalten – doch sie profitierten weder persönlich noch finanziell nennenswert davon. Überraschenderweise waren die Firmeninhaber nicht einmal Mitglieder der NSDAP.

Nach dem Zweiten Weltkrieg führte das Unternehmen seine Tätigkeit unter staatlicher Kontrolle in der DDR fort und stellte fortan Industrieanlagen her. Jahrzehntelang blieb seine Rolle während der NS-Zeit unaufgearbeitet. Erst in den 1970er-Jahren begannen journalistische Recherchen, die Vergangenheit aufzudecken. Seit der deutschen Wiedervereinigung dient der Standort als Gedenk- und Bildungsstätte, mit Angeboten wie Führungen und interaktiven Formaten, die das Gedenken wachhalten sollen.

Während des Vortrags spielte Vossebrecker Tonaufnahmen von Tätern ab, darunter Adam Hradil, ein Fahrer in Auschwitz. Statt sie pauschal zu verurteilen, ließ er ihre eigenen Worte ihre Mittäterschaft offenbaren. Dieser Ansatz löste unter den Zuhörern eine intensive Diskussion aus, bei der viele den Wunsch äußerten, sich für heutige Opfer von Ungerechtigkeit einzusetzen. Moderator Achim Rieks hob die starke Resonanz und die Bereitschaft des Publikums hervor, sich unangenehmen Wahrheiten zu stellen.

Cashback bei deinen
Lieblingsrestaurants und Services

Kaufe Gutscheine und spare in deinen Lieblingsorten in deiner Nähe

LiberSave App auf Smartphones

Die Debatte unterstrich die wachsende Überzeugung, dass die Ehrung der Holocaust-Opfer ein Engagement für diejenigen erfordert, die heute unter Unrecht leiden. Die Veranstaltung machte zudem deutlich, wie herausfordernd die Erinnerungskultur bleibt – steht doch die Geschichte von Topf & Söhne exemplarisch für die industrielle Mittäterschaft am Völkermord. Die Bildungsarbeit am ehemaligen Firmenstandort geht weiter, um sicherzustellen, dass die Vergangenheit weder in Vergessenheit gerät noch sich wiederholt.