Westfalen-Lippe kämpft mit bundesweit geringster Hausarztquote – und die Politik streitet
Salvatore HarloffHausarztmangel in NRW: Streit um effektive Maßnahmen - Westfalen-Lippe kämpft mit bundesweit geringster Hausarztquote – und die Politik streitet
In Nordrhein-Westfalens Region Westfalen-Lippe ist ein politischer Streit über den Mangel an Hausärzten entbrannt. Gesundheitsminister Karl-Josef Laumann (CDU) wies Vorwürfe der Opposition zurück, untätig zu sein, während die SPD nachdrücklich schnelle Lösungen fordert. Aktuelle Zahlen zeigen, dass die Region bundesweit die geringste Hausarztquote aufweist – nur 61 Allgemeinmediziner kommen auf 100.000 Einwohner.
Westfalen-Lippe belegt damit den letzten Platz bei der hausärztlichen Versorgung unter den deutschen Kassenärztlichen Vereinigungen. Daten des Bundesärzteregisters bestätigen den Engpass: Auch Brandenburg und Berlin verzeichnen einen Mangel, allerdings mit leicht höheren Werten von 66 beziehungsweise 72 Hausärzten pro 100.000 Einwohner. Hamburg hingegen führt die Statistik mit einer Ärztedichte von 315 pro 100.000 deutlich an.
Die Landesregierung hat bereits Gegenmaßnahmen ergriffen. So startete NRW 2009 ein Hausarzt-Förderprogramm und investierte 29 Millionen Euro, um über 1.000 neue Praxen in unterversorgten Gebieten zu unterstützen. Rund 80 Prozent dieser Mittel flossen nach Westfalen-Lippe. Erst kürzlich führte die Region als erstes Bundesland eine Landarztquote ein: 1.100 Medizinstudierende verpflichteten sich, nach ihrem Abschluss ein Jahrzehnt lang als Hausärzte in der Region zu arbeiten.
Doch die Wirkung dieser Maßnahmen wird sich verzögern. Die ersten Ärzte aus diesem Programm werden erst 2030 ihre Tätigkeit aufnehmen – bedingt durch die lange Ausbildungsdauer. Laumann betonte, die Lösung des Problems erfordere langfristige Planung über eine einzige Legislaturperiode hinaus. Unterdessen kritisierte Lisa-Kristin Kapteinat, stellvertretende SPD-Fraktionsvorsitzende, seinen Ansatz als unzureichend angesichts der aktuellen Krise.
Der CDU-Abgeordnete Daniel Hagemeier konterte die Forderungen der SPD und bezeichnete deren Debattenforderung als "Monats-Eigentor". Trotz des politischen Hin und Her bleibt die Hausarztknappheit in der Region die schwerwiegendste in ganz Deutschland.
Die ersten Ärzte aus der NRW-Landarztquote werden erst 2030 in die Praxis einsteigen. Bis dahin muss sich Westfalen-Lippe auf bestehende Maßnahmen stützen – darunter das Förderprogramm von 2009. Die politische Diskussion zeigt, wie schwierig es ist, kurzfristige Bedürfnisse mit langfristigen Lösungen in der Gesundheitsversorgung in Einklang zu bringen.






