Westerwelle-Doku zeigt unbekannte Seiten des verstorbenen FDP-Politikers
Salvatore Harloff"Westerwelle" - Ein Film gegen das Vergessen - Westerwelle-Doku zeigt unbekannte Seiten des verstorbenen FDP-Politikers
Neue Doku Westerwelle – Ein persönlicher Rückblick zehn Jahre nach dem Tod des ehemaligen Außenministers
Diese Woche zeigt die ARD die neue Dokumentation Westerwelle – pünktlich zum zehnten Todestag des früheren Außenministers Guido Westerwelle. Der Film erscheint zu einer Zeit, in der seine Partei, die FDP, um ihren politischen Einfluss kämpft: Nach dem Ausscheiden aus dem Bundestag und einer Reihe von Wahlniederlagen steht sie vor großen Herausforderungen.
Die Dokumentation wirft einen intimen Blick auf Westerwelles Leben und stützt sich dabei auf bisher unveröffentlichte Aufnahmen sowie persönliche Erinnerungen seiner engsten Vertrauten.
Im Mittelpunkt stehen seine letzten Jahre, darunter bisher ungehört gebliebene Gespräche, die er 2014 mit dem Journalisten Dominik Wichmann führte. Diese Aufnahmen gewähren seltene Einblicke in seine Gedanken, als seine Gesundheit bereits nachließ. Sein Ehemann, Michael Mronz, bildet das emotionale Zentrum des Films und teilt private Momente aus ihrem gemeinsamen Leben.
Die meisten Stimmen im Film stammen von Westerwelles Weggefährten aus der FDP und spiegeln eine Ära wider, die vor den heutigen politischen Verschiebungen lag. Eine kritische Auseinandersetzung mit seinem Vermächtnis außerhalb der Partei oder seiner möglichen Sicht auf die aktuelle Politik sucht man vergeblich. Auffällig ist auch, dass keine Vertreter seiner früheren Koalitionspartner, der CDU/CSU, zu Wort kommen.
Westerwelle wäre in diesem Jahr 64 Jahre alt geworden – ein Alter, in dem viele Politiker noch hohe Ämter bekleiden. Sein Tod 2016 fiel in eine Phase des Niedergangs der FDP, die bei der Bundestagswahl 2013 an der Fünf-Prozent-Hürde gescheitert war. Zwar erlebte die Partei 2021 mit 11,5 Prozent ein kurzes Comeback und zog in die Ampelkoalition ein, doch die Krise hält an. Im März 2026 verpasste sie mit nur 4,4 Prozent den Wiedereinzug in den Landtag von Baden-Württemberg.
Seit Westerwelles Amtszeit (2009–2013) hat sich die politische Landschaft Deutschlands stark verändert. Koalitionen sind heute flexibler – etwa die Zusammenarbeit von CDU und Grünen in Baden-Württemberg oder die bundesweite Ampelregierung. Während die FDP an Bedeutung verliert, gewinnen Parteien wie die AfD und die Linke an Zulauf, und auch CDU/CSU, SPD sowie die Grünen verzeichnen Mitgliederschwankungen.
Die Dokumentation erscheint zu einer Zeit, in der die Zukunft der FDP nach Jahren der Wahlniederlagen ungewiss bleibt. Statt politischer Analysen setzt der Film auf Westerwelles persönliche Geschichte und zeichnet ein nostalgisches Porträt eines Mannes, der einst die deutsche Politik prägte. Die Aufnahmen und Zeugnisse schaffen eine direkte Verbindung zu einer Epoche, die heute schon wie eine ferne Erinnerung wirkt.






