Wasserstoff-Midstreamer soll industrielle Energiewende beschleunigen – doch wer zahlt?
Agata HübelWasserstoff-Midstreamer soll industrielle Energiewende beschleunigen – doch wer zahlt?
Der Verband der Industriellen Energie- und Kraftwirtschaft (VIK) hat einen neuen Plan vorgelegt, um die Wasserstoffnutzung zu beschleunigen. Kern des Vorschlags ist ein staatlich gestützter Vermittler namens Wasserstoff-Midstreamer, der Erzeuger und Abnehmer zusammenbringen soll. Ziel ist es, Investitionsrisiken zu verringern und die Preise in der frühen Wachstumsphase zu stabilisieren.
Der Vorstoß kommt zu einer Zeit, in der erneuerbarer Wasserstoff deutlich teurer ist als Erdgas – hohe Stromkosten und regulatorische Auflagen treiben die Preise zusätzlich in die Höhe. Der VIK warnt, dass ohne langfristige Förderzusagen die industrielle Transformation ins Stocken geraten könnte.
Laut Plan würde der Wasserstoff-Midstreamer langfristige Verträge mit Wasserstofferzeugern abschließen. Diese Abkommen sollen Industriekunden eine stabile Versorgung zu kalkulierbaren Preisen garantieren und so Planungssicherheit schaffen. Der Vermittler müsste zunächst technologieneutral agieren und sowohl erneuerbaren (RFNBO) als auch CO₂-armen Wasserstoff fördern.
Ein zentrales Element des Finanzierungsmodells sind staatliche Subventionen, um die Lücke zwischen hohen Produktionskosten und den Zahlungsmöglichkeiten der Abnehmer zu schließen. Der VIK schlägt ein Contract-for-Difference-System (CfD) vor, um die Nachfrageseite zu entlasten. Die Schätzungen gehen davon aus, dass die Subventionierung von einer Million Tonnen Wasserstoff pro Jahr Milliarden an Fördermitteln erfordern würde.
Der Verband betont zudem, dass mindestens zehn Jahre garantierte Unterstützung nötig seien, um Investitionen in Produktion und Infrastruktur anzuziehen. Ohne diese Sicherheit drohe Deutschlands Wasserstoffausbau an Fahrt zu verlieren. Gleichzeitig lehnt der VIK verbindliche Quoten wie die THG-Quote im Verkehrssektor ab, da diese die Kosten dauerhaft erhöhen und die globale Wettbewerbsfähigkeit schwächen würden.
Langfristig strebt der Plan einen voll funktionsfähigen, wettbewerbsorientierten Wasserstoffmarkt an, sobald die anfängliche Hochlaufphase abgeschlossen ist. Bis dahin sollen staatlich gestützte Vermittler eine Schlüsselrolle bei der Sicherung der Lieferketten und der Kostenkontrolle spielen.
Mit dem Vorschlag will der VIK die industrielle Wasserstoffnutzung wiederbeleben, indem er finanzielle Risiken für Erzeuger und Verbraucher senkt. Wird der Wasserstoff-Midstreamer umgesetzt, würde er als Brückenlösung fungieren, bis marktwirtschaftliche Kräfte die Steuerung übernehmen. Nun liegt der Plan zur weiteren Diskussion bei Politik und Wirtschaft vor.






