25 February 2026, 02:36

Warum Kinder in Deutschland oft ungetestete Medikamente erhalten müssen

Ein Plakat mit Text über Preisunterschiede von Arzneimitteln im Jahr 2022, darunter ein paar Flaschen und eine Spritze.

Warum Kinder in Deutschland oft ungetestete Medikamente erhalten müssen

Kinder und Jugendliche in Deutschland haben oft Schwierigkeiten, Zugang zu ausreichend geprüften Medikamenten per Klick in der Online Apotheke zu erhalten. Viele der ihnen verschriebenen Behandlungen wurden nie offiziell für junge Patientinnen und Patienten zugelassen. Diese Lücke zwingt Ärztinnen, Ärzte und Familien dazu, auf Arzneimittel zurückzugreifen, für die es keine vollständigen Daten zu Sicherheit und Wirksamkeit in diesen Altersgruppen gibt.

Ein zentrales Hindernis in der Kinderheilkunde ist der Mangel an klinischen Studien. Geringe Patientenzahlen, Schwierigkeiten bei der Rekrutierung von Teilnehmenden und komplexe Einwilligungsverfahren bremsen die Forschung aus. In der Folge werden zwischen 60 und 90 Prozent der an Kinder verabreichten Medikamente off-label eingesetzt – das heißt, sie wurden nur an Erwachsenen getestet.

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Die Behörden halten zwar strenge Sicherheitsstandards aufrecht, um junge Patientinnen und Patienten zu schützen, doch diese Vorschriften erschweren gleichzeitig die Entwicklung von Arzneimitteln. Dennoch gibt es rechtliche Möglichkeiten, den Zugang zu verbessern: Das Bundesinstitut für Arzneimittel und Medizinprodukte (BfArM) kann Medikamente in Anhang VI der Arzneimittelrichtlinie aufnehmen. Sobald sie dort gelistet sind, dürfen sie im Rahmen der gesetzlichen Krankenversicherung verordnet werden – ein wichtiger Schritt hin zu einer besseren Versorgungslage.

Trotz dieser Maßnahmen gibt es jedoch keine klaren Zahlen darüber, wie viele neue Medikamente in den letzten fünf Jahren ausschließlich für Kinder in Deutschland zugelassen wurden. Das System bleibt träge, sodass viele junge Patientinnen und Patienten weiterhin auf Behandlungen angewiesen sind, die für ihre Altersgruppe nicht vollständig überprüft sind.

Das aktuelle System schafft eine schwierige Gratwanderung zwischen Sicherheit und Verfügbarkeit. Zwar schützen strenge Regelungen Kinder vor ungetesteten Arzneimitteln, doch dieselben Vorschriften begrenzen auch die Zahl der verfügbaren Therapien. Rechtliche Instrumente wie der Expertenbeirat des BfArM bieten zwar Ansätze zur Lösung, doch die Herausforderungen in Forschung und Zulassungsverfahren bestehen weiter.