Warum Deutschland ein Land der Mieter bleibt – und wer wirklich Wohneigentum besitzt
Salvatore HarloffWarum Deutschland ein Land der Mieter bleibt – und wer wirklich Wohneigentum besitzt
Deutschland bleibt ein Land der Mieter – mit einer der niedrigsten Wohneigentumsquoten in der EU. Nur etwas mehr als die Hälfte der Bevölkerung besitzt eine Immobilie, ein Trend, der durch jahrzehntelange politische und wirtschaftliche Faktoren geprägt wurde. Die Kluft zwischen Eigentümern und Mietern wird immer größer und spiegelt tiefe soziale Ungleichheiten wider.
Die Wurzeln der deutschen Mietkultur reichen bis in die Nachkriegszeit nach dem Zweiten Weltkrieg zurück. Damals setzte die Regierung auf sozialen Wohnungsbau, sodass Mieten für Generationen zur Norm wurde. Heute besitzen nur 53,4 Prozent der Deutschen Wohneigentum – deutlich unter dem EU-Durchschnitt. In Städten wie Berlin, Hamburg oder Bremen liegt die Eigentumsquote sogar unter 20 Prozent.
Hohe Kosten und strenge Vorschriften erschweren den Kauf zusätzlich. Nebenkosten wie Grunderwerbsteuer, Notargebühren und Maklerprovisionen schlagen mit 10 bis 12 Prozent auf den Kaufpreis auf. Anders als in vielen Ländern gibt es in Deutschland keine Steuererleichterungen für Hypothekenzinsen auf selbstgenutztes Wohneigentum – eine weitere finanzielle Belastung.
In den letzten Jahren ist der Einstieg in Wohneigentum noch schwieriger geworden. Vor 2022 war der Kauf einer Immobilie in Nordrhein-Westfalen fast genauso erschwinglich wie das Mieten. Doch die gestiegenen Zinsen – aktuell zwischen 3,4 und 4,2 Prozent – haben die Waage zugunsten des Mietens kippen lassen. Starke Mieterschutzrechte machen das Mieten zudem zu einer sicheren und attraktiven Langzeitlösung.
Wohneigentum bleibt oft in der Familie. Kinder von Eigentümern kaufen deutlich häufiger selbst eine Immobilie, während junge Erwachsene aus Mietshaushalten auf hohe Hürden stoßen. Dieser Kreislauf zementiert ein System, in dem Immobilienbesitz vor allem bestimmten sozialen Gruppen vorbehalten bleibt.
Der deutsche Wohnungsmarkt offenbart eklatante Ungleichheiten: Für viele ist Wohneigentum in immer weitere Ferne gerückt. Steigende Kosten und fehlende Anreize halten das Mieten als dominierende Wohnform fest – besonders in Ballungsräumen. Ohne politische Kurskorrekturen wird sich die Spaltung zwischen lebenslangen Mietern und Eigentümern weiter vertiefen.






