Vonovia-Chef fordert radikale Kehrtwende bei der Mietpreisbremse
Salvatore HarloffVonovia-Chef fordert Reform der Mietpreisbremse - Vonovia-Chef fordert radikale Kehrtwende bei der Mietpreisbremse
Deutschlands größter Wohnungsvermieter Vonovia fordert grundlegende Reform der Mietpreisbremse
Rolf Buch, Vorstandsvorsitzender von Vonovia, hat scharfe Kritik an den aktuellen Mietregulierungen geübt und diese als schädlich für den Wohnungsmarkt bezeichnet. Die geltenden Regeln verschärften den Wohnraummangel, statt ihn zu lösen, argumentiert Buch. Seine Äußerungen fallen in eine Phase, in der das Unternehmen steigende Gewinne und Mieten für das Jahr 2022 vermeldet.
Die sogenannte Mietpreisbremse, 2015 eingeführt, sollte den rasanten Anstieg der Mieten in Ballungsräumen bremsen. Demnach dürfen Vermieter bei Neuvermietungen maximal zehn Prozent über dem ortsüblichen Vergleichsmietspiegel liegen. Buch kritisiert seit Langem, dass diese Obergrenze den Markt verzerrt – selbst für Gutverdiener – und das eigentliche Problem ignoriert: den akuten Wohnungsmangel.
In den ersten neun Monaten des Jahres 2022 stieg die durchschnittliche Monatsmiete von Vonovia auf 8,28 Euro pro Quadratmeter – ein Plus von 4,3 Prozent im Vergleich zum Vorjahreszeitraum. Damit liegt der Wert leicht über dem bundesweiten Durchschnitt von 8,11 Euro pro Quadratmeter, der Ende September ermittelt wurde. Zudem verzeichnete das Unternehmen einen Nettogewinn von rund 3,4 Milliarden Euro, ein deutlicher Aufschwung nach dem Verlust von 592 Millionen Euro im Vorjahr.
Buch, der Vonovia durch Übernahmen von Unternehmen wie Gagfah, Buwog und Deutsche Wohnen zu einem Branchenriesen ausgebaut hat, pocht auf eine Reform der Mietpreisbremse. Er schlägt ein System vor, das einkommensschwache Mieter schützt, gleichzeitig aber marktgerechte Mieten für andere ermöglicht. Seine Amtszeit als Vorstandsvorsitzender endet in diesem Jahr; 2023 übernimmt Luka Mucic, ehemaliger SAP-Manager und aktueller Vodafone-Finanzvorstand, die Führung.
Vonovias Forderung nach einer Reform spiegelt die grundsätzlichen Spannungen im deutschen Wohnungsmarkt wider. Angesichts steigender Mieten und wachsender Gewinne unterstreicht die Position des Unternehmens die anhaltende Debatte, wie sich Bezahlbarkeit und Marktstabilität in Einklang bringen lassen. Der neue Vorstandsvorsitzende erbt nicht nur ein finanziell starkes Unternehmen, sondern auch eine politisch brisante Herausforderung.






