Von "Narr" zu "Nazischlampe": Wie Beleidigungen heute teuer werden können
Toralf ZänkerVon "Narr" zu "Nazischlampe": Wie Beleidigungen heute teuer werden können
Beleidigungen haben sich im Laufe der Zeit gewandelt – viele alte Schimpfwörter wirken heute eher albern als verletzend. Ausdrücke wie "Du Narr!" oder "Schurke!" verlieren zunehmend an Schärfe. Doch moderne Beleidigungen, besonders gegen Politiker gerichtet, können nach wie vor teure juristische Konsequenzen nach sich ziehen.
Roger "Flaming" Reisertsch, Jurist und Sprachwissenschaftler mit Schwerpunkt auf Beleidigungen, erforscht, wie sich die Kränkungskraft von Worten entwickelt. Sein Fachgebiet, die Malediktologie, untersucht, welche Begriffe zu Klagen und Strafen führen. So kann es etwa 1.200 Euro Schadensersatz kosten, eine hochrangige AfD-Politikerin als "Nazischlampe" zu bezeichnen. Selbst Abkürzungen wie "NS" oder umgestellte Varianten ("Schlampennazi") mildern die Strafe nicht unbedingt.
Auch allgemein politische Angriffspunkte können ins Geld gehen: Jemand als "SPD-Anhänger" zu bezeichnen – selbst wenn es stimmt –, kann ein Bußgeld von 2.500 Euro nach sich ziehen. Tiervergleiche wiederum lösen häufig sowohl Beleidigungsklagen als auch Prozesse von PETA aus.
Reisertsch schlägt eine rechtssichere Alternative vor: Politiker-Namen als Schimpfwörter zu nutzen. "Du Olaf!" unterstellt jemandem Heimlichtuerei und Abschiebefreudigkeit, während "Du Orban!" oder "Du blöder Trump!" in Deutschland keine juristischen Folgen haben. In den USA oder Ungarn könnten dieselben Ausdrücke jedoch durchaus Probleme bereiten.
Sein Online-Buch "Gib mir keine Tiernamen" listet über tausend politikerbasierte Beleidigungen auf. Auch Obst- und Gemüsebezeichnungen bergen Risiken – selbst das Wort "Pflaume" kann noch klagewürdig sein.
Alte Schimpfwörter mögen ihre Wirkung verloren haben, doch moderne politische Kampfbegriffe bleiben juristisch heikel. Reisertschs Forschung zeigt, wie Wortwahl zu Strafen oder Prozessen führen kann. Wer dampf ablassen will, ohne Konsequenzen zu fürchten, findet in Politikernamen eine kreative – wenn auch rechtlich unbedenklichere – Lösung.






