31 December 2025, 04:24

Vom Hightech-Korridor ins Schienen-Chaos: Wie die Bahn an der Grenze versagt

Ein Zug ist in der Mitte des Bildes zu sehen, mit einem Bahnsteig und Text unten, Gebäuden mit Dächern und einer Säule links und Gebäuden mit Dächern, Kabeln und Himmel oben.

Vom Hightech-Korridor ins Schienen-Chaos: Wie die Bahn an der Grenze versagt

Ein Güterzug mit 50 Containern fährt von den Niederlanden nach Deutschland – eine Reise, die den eklatanten Gegensatz zwischen moderner und veralteter Bahninfrastruktur verdeutlicht. Die Fahrt, gesteuert von einem erfahrenen Lokomotivführer, führt zunächst durch einen hochtechnisierten niederländischen Korridor, bevor sie auf das marode deutsche Schienennetz trifft. Behörden räumen ein, dass Unterfinanzierung und zögerliche Fortschritte bei der Digitalisierung das deutsche Bahnsystem zurückwerfen.

Hans Blom, ein Lokomotivführer mit fast 40 Jahren Erfahrung, steuert einen 700 Meter langen Güterzug vom Rangierbahnhof Kijfhoek nach Duisburg. Die Strecke durch die Niederlande ist ein spezieller Hochtechnologie-Güterkorridor ohne Bahnhöfe oder Bahnübergänge. Hier kommt das Europäische Zugsicherungssystem (ETCS) zum Einsatz, das über streckenseitige Transponder und Funksignale Geschwindigkeiten regelt und Züge bei Bedarf automatisch stoppt.

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Sobald Bloms Zug die Grenze zur Deutschen Bahn überquert, ändert sich das System. Hier übernehmen herkömmliche Signallichter, denn nur 500 Kilometer des deutschen Schienennetzes – etwa 1,5 Prozent – sind mit ETCS ausgestattet. Sowohl die Deutsche Bahn als auch das Bundesverkehrsministerium geben zu, dass Unterfinanzierung und ineffiziente Mittelverwendung die Digitalisierung verzögern. Stattdessen fließen die Mittel in die Instandsetzung der veralteten Signaltechnik und der maroden Infrastruktur.

Kerstin Corvers, Geschäftsführerin von Kombi-Rail Europe, verweist auf die häufigen Umleitungen und Baustellen, die den deutschen Schienenverkehr behindern. Die zögerliche Einführung von ETCS, das eigentlich europaweit für einheitliche Abläufe sorgen soll, zwingt weite Teile des Netzes, auf veraltete Technik zu setzen.

Die Fahrt von den Niederlanden nach Deutschland macht den Graben zwischen moderner und überholter Bahntechnik deutlich. Da nur ein Bruchteil der Strecken mit ETCS ausgerüstet ist, belasten Verzögerungen bei der Digitalisierung weiterhin den Güter- und Personenverkehr. Behörden und Branchenvertreter sind sich einig: Nur mit mehr Investitionen und besserer Planung kann das deutsche Schienennetz endlich auf den neuesten Stand gebracht werden.