21 February 2026, 08:16

Vergessene Heldinnen: Wie Frauen wie Bertha Benz und Jenny Marx Geschichte schrieben

Ein aufgeschlagenes Buch mit einer Zeichnung eines Frauenkopfs, gefüllt mit Text und Musiksymbolen, das auf ein Naturgeschichtebuch hindeutet.

Vergessene Heldinnen: Wie Frauen wie Bertha Benz und Jenny Marx Geschichte schrieben

Lesung in Büsum würdigt vergessene Frauen hinter großen Männern der Geschichte

Eine kürzliche Lesung in Büsum lenkte den Blick auf die oft übersehenen Leistungen von Frauen, die im Schatten einiger der einflussreichsten Männer der Geschichte standen. Veranstaltet vom Landfrauenverband Büsum, beleuchtete die Veranstaltung ihre Errungenschaften und nachhaltige Wirkung. Die Referentinnen Wiebke Reißig-Dwenger und Gudrun Ahlers brachten Geschichten von Widerstandskraft, Innovationsgeist und stiller Einflussnahme ans Licht.

Zu den porträtierten Frauen gehörten Bertha Benz, deren kühne Fahrt den Weg für das Automobil ebnete, und Jenny Marx, die die revolutionären Ideen ihres Mannes entscheidend förderte. Die Veranstaltung erinnerte auch an das tragische Schicksal von Gerda Taro, einer Pionierin der Kriegsfotografie, deren Vermächtnis fast in Vergessenheit geriet. Ihre Geschichten, lange Zeit überlagert, inspirieren noch heute.

Der Landfrauenverband Büsum organisierte die Lesung unter dem Titel "Die Frauen hinter den Männern: Ihre Leistungen und wie sie uns heute inspirieren". Die Autorin Wiebke Reißig-Dwenger und die Fotografin Gudrun Ahlers präsentierten das Leben von Frauen, deren Unterstützung die Geschichte prägte. Jede Biografie offenbarten Entschlossenheit angesichts von Widrigkeiten.

Bertha Benz, Mutter von fünf Kindern, spielte eine Schlüsselfunktion für den Erfolg ihres Mannes Karl. 1888 finanzierte sie mit ihrem Mitgift seine Werkstätten und unternahm mit dem Patent-Motorwagen eine 105 Kilometer lange Fahrt – ohne sein Wissen. Unterwegs behob sie technische Pannen, bewies damit die Alltagstauglichkeit des Fahrzeugs und weckte das öffentliche Interesse.

Jenny Marx, Schriftstellerin und Theaterkritikerin, arbeitete unermüdlich als Sekretärin ihres Mannes. Nach Karl Marx' Tod setzte sie sich für die Veröffentlichung seiner unvollendeten Werke ein und sicherte so die Verbreitung seiner Ideen. Ihr Einsatz festigte seinen Platz in der politischen Theorie.

Die Veranstaltung ehrte auch Auguste Adenauer, die zweite Ehefrau des ersten deutschen Nachkriegskanzlers. Als Führungsfigur im Katholischen Deutschen Frauenbund stand sie während des Zweiten Weltkriegs unter enormem Druck. 1944 verriet sie unter Gestapo-Folter Konrad Adenauers Versteck. Von Schuld gequält, unternahm sie später einen Suizidversuch.

Besonders berührend war die Geschichte von Gerda Taro, einer jüdischen Fotografin, die während des Spanischen Bürgerkriegs ins Exil ging. Seite an Seite mit Robert Capa dokumentierte sie den Konflikt mit schonungsloser Unmittelbarkeit. 1937, mit nur 26 Jahren, kam sie ums Leben, als ein Panzer sie erdrückte. Jahrzehntelang geriet ihr Name in Vergessenheit – bis 2007 die Negativfilme des "Mexikanischen Koffers" wiederauftauchten. Seither gilt sie als Pionierin der partizipativen Kriegsfotografie; ihr mutiger, naher Bildstil prägte das Genre neu.

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Die Büsumer Lesung rückte Frauen in den Fokus, deren Beiträge oft ungewürdigt oder vergessen wurden. Bertha Benz' kühne Fahrt läutete das Automobilzeitalter ein, während Jenny Marx dafür sorgte, dass die Theorien ihres Mannes überdauerten. Auguste Adenauers Leid unter der NS-Diktatur zeigte den persönlichen Preis des Widerstands.

Gerda Taros Wiederentdeckung hingegen hat ihren Platz in der Fotogeschichte zurückerobert. Einst getilgt, steht ihr Werk heute gleichberechtigt neben Capas als prägende Dokumentation des Krieges. Diese neu erzählten Geschichten erinnern daran, welche stillen Kräfte die Geschichte formen.