Verbotenes Ballett: Wie Russland Rudolf Nurejews Erbe zum Schweigen bringt
Toralf ZänkerVerbotenes Ballett: Wie Russland Rudolf Nurejews Erbe zum Schweigen bringt
Ein Ballett über das Leben Rudolf Nurejews feierte 1995 am Berliner Staatsballett Premiere – nur zwei Jahre nach seinem Tod. 2017 erreichte die Produktion das Moskauer Bolschoi-Theater, doch Regisseur Kirill Serebrennikow konnte wegen rechtlicher Probleme nicht anwesend sein. Seit 2023 ist das Stück in Russland verboten, da es LGBTQ+-Themen behandelt.
Rudolf Nurejew wurde 1938 als Sohn baschkirisch-tatarischer Eltern während einer Reise mit der Transsibirischen Eisenbahn in der Nähe des Baikalsees geboren. Er studierte bei Alexander Puschkin an der Waganowa-Ballettakademie in Leningrad, bevor er 1961 nach Frankreich floh. Sein Leben – geprägt von Ruhm, Rebellion und einem tragischen Tod an Aids 1993 in Paris – steht im Mittelpunkt des Balletts Nurejew.
Die Bühnengestaltung spiegelt seine opulente Welt wider: mit männlichen Akten alter Meister, Thonet-Stühlen, Sofas von Maria Callas und sogar einem Nachbau seiner italienischen Insel. Der Choreograf Juri Possochow, ein in Luhansk (Ukraine) geborener US-Bürger, schuf die Tänze gemeinsam mit Regisseur Kirill Serebrennikow. Während der erste Akt Nurejews Aufstieg packend inszeniert, verliert der zweite an Schwung – trotz kraftvoller Soli und großer Ensembleszenen.
Serebrennikow wurde später wegen Veruntreuung verurteilt und verpasste die russische Premiere 2017. 2023 folgte das Verbot des Balletts aufgrund von Gesetzen gegen "Propaganda nicht-traditioneller sexueller Beziehungen". Possochow, der in den USA lebt, arbeitet weiterhin mit dem Bolschoi zusammen – trotz der anhaltenden Spannungen um die Ukraine.
1995 wurde Nurejews Nachlass, darunter Kostüme, Kunstwerke und persönliche Gegenstände, versteigert und damit sein Erbe zerstreut.
Nurejew bleibt eine eindrucksvolle Hommage an einen der größten Tänzer der Geschichte. Die prunkvolle Inszenierung und die mutige Erzählweise wurden sowohl gefeiert als auch zensiert. Während das Stück in Russland verboten ist, lebt es als Zeugnis von Nurejews Widerspenstigkeit und Kunst weiter.






