Teilzeitarbeit lohnt sich kurzfristig – doch die Rente zahlt später den Preis
Agata HübelTeilzeitarbeit lohnt sich kurzfristig – doch die Rente zahlt später den Preis
Teilzeitarbeit in Deutschland senkt das Nettogehalt oft weniger stark als erwartet – dank des progressiven Steuersystems und geringerer Sozialabgaben. Doch die langfristigen Folgen, insbesondere für die Rente, können sich über die Jahre summieren.
Ein Vollzeitbeschäftigter in Nordrhein-Westfalen mit einem Bruttolohn von 3.500 Euro (40 Stunden) behält nach Abzügen 2.315 Euro netto. Reduziert dieselbe Person ihre Arbeitszeit auf 30 Stunden (ein Minus von 25 Prozent), sinkt das Bruttoeinkommen auf 2.625 Euro, das Netto jedoch nur um 20,7 Prozent auf 1.835,17 Euro. Der Grund: niedrigere Steuersätze und geringere Sozialversicherungsbeiträge auf das kleinere Einkommen.
Bei einer Midijob-Stelle mit 20 Wochenstunden und 1.750 Euro Brutto verbleiben netto 1.352,58 Euro – ein Rückgang um 41,6 Prozent gegenüber der Vollzeitstelle, obwohl die Arbeitszeit nur halbiert wurde. Das mediane Bruttojahresgehalt in Vollzeit lag 2024 bei 52.159 Euro (rund 4.701 Euro monatlich), doch Teilzeiteinkommen verringern die Bemessungsgrundlage für die Rentenbeiträge.
In Deutschland hängen die Rentenpunkte vom Einkommen im Verhältnis zum Durchschnittsverdienst (2024: 51.944 Euro Brutto pro Jahr) ab. Wer weniger verdient, sammelt weniger Punkte – und erhält später eine geringere Rente. Die Auswirkungen sind zunächst kaum spürbar, doch über Jahre hinweg kann das zu deutlich niedrigeren Altersbezügen führen.
Gegensteuern lässt sich durch private oder betriebliche Altersvorsorge, freiwillige Nachzahlungen in die gesetzliche Rentenversicherung oder eine Abstimmung mit dem Einkommen des Partners. Welche Strategie sich am besten eignet, hängt davon ab, wie lange jemand in Teilzeit arbeiten möchte und welche beruflichen Schritte folgen.
Kurzfristig entlastet Teilzeitarbeit dank der deutschen Steuer- und Sozialregeln die Haushaltskasse. Doch der Preis wird später fällig: Geringere Einkommen mindern die Rentenansprüche. Mit zusätzlicher Vorsorge oder freiwilligen Einzahlungen lassen sich die langfristigen Nachteile jedoch begrenzen.






