09 January 2026, 02:11

Streit um St. Kilian in Paderborn: Kirche zwischen Tradition und radikaler Umnutzung

Eine Kirche ist prominent in der Mitte des Bildes zu sehen.

Streit um St. Kilian in Paderborn: Kirche zwischen Tradition und radikaler Umnutzung

Die Pfarrei St. Heinrich in Paderborn hat ihre Kirche in einen modernen Gemeinschaftsraum umgebaut. Beichtstühle wurden entfernt, um Platz für einen Spielbereich für Kinder zu schaffen – ein Zeichen für den Wandel, den Kirchen heute durchlaufen. Unterdessen steht ein weiteres örtliches Wahrzeichen, die Kirche St. Kilian, vor einer ungewissen Zukunft, da sich Gemeindeglieder und Verantwortliche über ihre Rolle streiten.

St. Kilian, eine markante brutalistische Kirche mit einem schlanke aufragenden Turm und einem hellen Innenraum, hat für viele Gläubige eine tiefe Bedeutung. Claudia Auffenberg, eine Trauerrednerin, ist eng mit dem Gebäude verbunden – hier empfing sie ihre Erste Heilige Kommunion, und ihr Vater lag einst dort aufgebahrt. Viele Einheimische teilen ihre Sicht und sehen in St. Kilian einen unverzichtbaren Teil ihrer religiösen und kulturellen Identität. Sie fürchten, einen Ort zu verlieren, der jahrzehntelang Mittelpunkt des Gottesdienstes und des Gemeinschaftslebens war.

Doch der Pfarrgemeinderat des Bezirks St. Heinrich plädiert für einen Wandel. Finanzielle Zwänge, sinkende Besucherzahlen und der Bedarf an flexiblen Räumen führen dazu, dass eine Umnutzung der Kirche befürwortet wird. Einige, wie Auffenberg, stellen sich eine „Kulturkirche“ vor, die Tradition mit neuen Nutzungsformen verbindet. Der Rat selbst bevorzugt jedoch, das Gebäude vollständig aufzugeben, da es aus seiner Sicht nicht mehr tragfähig ist. Das Erzbistum Paderborn steht insgesamt vor ähnlichen Herausforderungen. Da es mehr Kirchen gibt, als benötigt werden, bleibt in der Pfarrei St. Julian nur eine von ursprünglich drei Kirchen geöffnet. Anders als andere Bistümer in Nordrhein-Westfalen hat Paderborn bisher keine klare Immobilienstrategie entwickelt. Das Kernproblem bleibt: Die Zahl der Gottesdienstbesucher geht zurück, und die Mitgliedschaft schrumpft weiter.

Die Pfarrei St. Heinrich hat bereits Schritte zur Anpassung unternommen. Durch den Ersatz der Beichtstühle durch einen Spielbereich soll ein einladender Ort für Familien und die breitere Gemeinschaft entstehen. Dieser Wandel spiegelt einen größeren Trend wider: Kirchen entwickeln sich von rein religiösen Stätten zu multifunktionalen Begegnungsorten.

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Die Debatte um St. Kilian zeigt das Spannungsfeld zwischen Tradition und Veränderung. Während einige Gemeindeglieder um den Erhalt eines geliebten Wahrzeichens kämpfen, drängen finanzielle und praktische Zwänge die Verantwortlichen zu Umnutzung oder Schließung. Die Entscheidung wird zeigen, ob die Kirche ein Ort des Gebets bleibt oder sich in etwas Neues verwandelt – und damit die übergeordneten Herausforderungen des Erzbistums Paderborn widerspiegelt.