01 January 2026, 14:26

Streit um Kriminalitätsdaten: Was die Grafik zu sexueller Gewalt wirklich zeigt

Ein Buch mit dem Titel "Welt der Probleme", das ein Bild eines Mannes und eines Hundes zeigt, das auf einem Tisch liegt.

Streit um Kriminalitätsdaten: Was die Grafik zu sexueller Gewalt wirklich zeigt

Ein weit verbreiteter Graph hat eine Debatte über Kriminalitätsentwicklungen in Deutschland ausgelöst – insbesondere zu Straftaten gegen die sexuelle Selbstbestimmung. Die Daten, die ursprünglich im August 2023 von T-Online veröffentlicht wurden, zeigen einen Anstieg der Tatverdächtigen seit 1987, mit einem deutlichen Sprung zwischen 2020 und 2021. Experten warnen jedoch, dass gesetzliche Änderungen und Meldeverfahren direkte Vergleiche über die Jahre hinweg erschweren.

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Die Grafik verdeutlicht einen langfristigen Anstieg der Tatverdächtigen nach § 177 StGB, dem deutschen Gesetz zu Verstößen gegen die sexuelle Selbstbestimmung. Zwei bedeutende Rechtsreformen seit 2015 spielten dabei eine Rolle: die Einführung des "Nein-heißt-Nein"-Prinzips sowie die Schaffung neuer Straftatbestände für sexuelle Belästigung und gruppenbezogene Delikte. Diese Änderungen erweiterten den Verfolgungsrahmen und führten zu höheren Fallzahlen in der Statistik.

Der stärkste Anstieg erfolgte zwischen 2020 und 2021, getrieben vor allem durch Fälle der Verbreitung pornografischen Materials, insbesondere von Missbrauchsabbildungen von Kindern. Die Polizeistatistiken erfassen jedoch nur abgeschlossene Ermittlungsverfahren und differenzieren nicht nach Staatsangehörigkeit, Aufenthaltsstatus oder anderen demografischen Merkmalen. Die meisten Tatverdächtigen in diesen Fällen besitzen die deutsche Staatsbürgerschaft, doch weitere Details fehlen. Trotz dieser Datenlücken veröffentlichte Florian Machl, Chefredakteur des österreichischen Desinformationsportals Report24, die Grafik gemeinsam mit den AfD-Politikern Maximilian Krah und Maximilian Kneller. Ihre Beiträge deuteten die Statistik als Beleg für eine migrationsbedingte Kriminalitätswelle um. Bundeskanzler Friedrich Merz wies separat in einer Mitte-Oktober-Stellungnahme auf migrationspolitische Herausforderungen in deutschen Städten hin, ohne jedoch einen direkten Bezug zu den Kriminalitätsdaten herzustellen.

Kritiker monieren, dass die Verbreitung der Grafik ohne ausreichenden Kontext die Öffentlichkeit in die Irre führen könnte. Fehlende demografische Aufschlüsselungen und der Einfluss der Rechtsreformen erschweren es, klare Rückschlüsse auf die Ursachen der steigenden Zahlen zu ziehen.

Die Diskussion unterstreicht die Komplexität bei der Interpretation von Kriminalstatistiken, besonders wenn sich rechtliche und meldebezogene Rahmenbedingungen ändern. Zwar bestätigen die Daten einen Anstieg der Tatverdächtigen, doch bleiben die Rolle von Migration oder anderen Faktoren unklar. Behördenseits stehen detaillierte demografische Analysen noch aus – zentrale Fragen bleiben damit vorerst unbeantwortet.