29 January 2026, 02:19

Streit um Deutschlands Glasfaser-Ausbau: Wer entscheidet über das Kupfernetz-Ende?

Ein altes Stadtplan von Hamburg, Deutschland, mit roten Linien, die den Siel-System-Route markieren, auf einem Papier mit handgeschriebener Text.

Streit um Deutschlands Glasfaser-Ausbau: Wer entscheidet über das Kupfernetz-Ende?

Deutschland treibt eines seiner grössten Infrastrukturprojekte voran: den Austausch alter Kupfernetze durch flächendeckende Glasfaseranschlüsse (FTTH). Das Bundesministerium für Digitales und Verkehr (BMDV) hat nun neue Massnahmen vorgeschlagen, um diesen Wandel zu beschleunigen. Doch der Plan stosst bei Telekommunikationsriesen, Branchenverbänden und Regulierungsbehörden auf scharfe Kritik.

Im Mittelpunkt der Debatte steht die Frage, wie schnell Deutschland das Kupfernetz abschalten sollte – und wer über den Zeitplan entscheiden darf.

Mit seiner Initiative will das BMDV den Ausbau der Glasfasernetze in Deutschland beschleunigen. Wettbewerber wie Vodafone, Telefónica (O2) und Ewe haben bereits eigene Ausbaupläne vorgelegt, um die Vorherrschaft der Deutschen Telekom herauszufordern. Die Branchenverbände Breko und VATM begrüssen den Ansatz des Ministeriums und kritisieren die bisherigen Bemühungen der Bundesnetzagentur als unzureichend.

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Breko fordert ein "universelles Initiativrecht", das Konkurrenten ermöglichen soll, die Abschaltung von Kupferleitungen zu erzwingen, sobald die Glasfaserabdeckung ein bestimmtes Niveau erreicht – selbst wenn die Telekom Widerspruch einlegt. Zudem setzt sich der Verband für Sonderkündigungsrechte für Wiederverkäufer ein, um Kunden den Wechsel zu Glasfaseranbietern zu erleichtern. Doch der Bundesverband der Energie- und Wasserwirtschaft (BDEW) und der Deutsche Industrie- und Handelskammertag (DIHK) warnen vor überstürzten Schritten. Eine zu schnelle Umstellung könnte Unternehmen belasten und die wirtschaftliche Stabilität gefährden, so ihre Argumentation.

Die Deutsche Telekom lehnt die Pläne entschieden ab. Das Unternehmen betont, dass sein bestehendes Netz – bei dem Glasfaser bis zu den Kabelverzweigern (FTTC) reicht – bereits Geschwindigkeiten von bis zu 250 Mbit/s biete. Erzwungene Abschaltungen seien wirtschaftlich unsinnig, zerstören Kapital und verstossen gegen deutsches Verfassungsrecht sowie EU-Vorgaben, heisst es. Zudem wirft die Telekom dem Ministerium vor, veraltete Kabel-TV-Netze zu ignorieren. Ein Umstieg der Kunden auf Vodafones Koaxialkabel würde im Vergleich zu FTTH sogar den Energieverbrauch verfünffachen, warnt das Unternehmen.

Der Streit offenbart tiefe Gräben bei der Frage, wie Deutschlands digitale Infrastruktur modernisiert werden soll. Während die einen schnelleres Handeln fordern, betonen andere die Risiken eines übereilten Vorgehens – oder einer zu starken Abhängigkeit von den Entscheidungen eines einzelnen Anbieters.

Der Vorschlag des BMDV könnte die Telekommunikationslandschaft in Deutschland grundlegend verändern. Wird er umgesetzt, müsste die Deutsche Telekom ihre Kupferleitungen möglicherweise früher als geplant stilllegen. Doch angesichts ungelöster rechtlicher, wirtschaftlicher und technischer Herausforderungen bleibt das Endergebnis ungewiss.

Die nächsten Schritte werden zeigen, ob es dem Land gelingt, im Wettlauf um die Vollversorgung mit Glasfaser Tempo, Wettbewerb und Stabilität in Einklang zu bringen.