15 January 2026, 18:30

Provokante Salome-Premiere an der Komischen Oper Berlin polarisiert mit mutigem Tanzkonzept

Ein Gemälde von Rembrandt van Rijn, das eine Frau in einem weißen Kleid und einer blauen Schärpe zeigt, die eine Laute spielt, mit geschlossenen Augen, in einem schwarzen Rahmen.

Provokante Salome-Premiere an der Komischen Oper Berlin polarisiert mit mutigem Tanzkonzept

Eine mutige Neuinszenierung von Salome feiert Premiere an der Komischen Oper Berlin

Unter der Regie von Evgeny Titov hat an der Komischen Oper Berlin eine gewagte Neuproduktion von Salome Premiere gefeiert. Die Oper, die auf der biblischen Erzählung von Salomes tödlichem Tanz um das Haupt Johannes des Täufers basiert, verbindet eine schroffe Bühnensprache mit Richard Strauss’ kraftvoller Partitur. In dieser Fassung, die am 23. November 2025 uraufgeführt wurde, glänzt Nicole Chevalier in der anspruchsvollen Titelrolle.

Strauss’ Salome sorgte bereits bei ihrer Uraufführung für Aufsehen. Zunächst von der Wiener Hofoper verboten, gelangte das Werk erst unter strengen Auflagen – darunter ein Finale mit dem Stern von Bethlehem – auf die Berliner Bühne. Trotz des anfänglichen Widerstands entwickelte es sich rasant zu einem Publikumsmagneten.

Titovs Inszenierung stellt die Thematik der Begierde in den Mittelpunkt. Selbst Jochanaan, der asketische Prophet, ringt mit verborgenen Sehnsüchten. Die Regie entfaltet sich in einem matt-goldenen Gewölbe, entworfen von Rufus Didwiszus, das eine harte, bedrückende Welt für die Figuren schafft. Besonders riskant ist die Umsetzung von Salomes berüchtigtem Tanz: Statt eines Solos bewegen sich hier mehrere maskierte Tänzerinnen im Gleichklang und schüren so Herodes’ Besessenheit von Illusion statt Wirklichkeit. Matthias Wohlbrechts Herodes durchdringt die Spannung mit schneidender, beunruhigender Stimmlage und unterstreicht damit die Paranoia und Grausamkeit des Königs. Doch nicht alle Entscheidungen überzeugen: Die an BDSM angelehnte Hofästhetik wirkt mitunter plakativ und verschwindet in entscheidenden Momenten, was Lücken in Titovs ansonsten eindrucksvoller Deutung hinterlässt. Chevalier hingegen beherrscht die Bühne als Salome souverän – sie meistert nicht nur die tückischen Passagen der Rolle, sondern behauptet sich auch gegen Strauss’ überwältigende Orchestrierung.

Die Salome der Komischen Oper Berlin ist bis 2026 zu sehen und bietet eine frische, wenn auch ungleichmäßige Annäherung an Strauss’ Meisterwerk. Chevaliers Darstellung und Titovs kühne Regieentscheidungen stechen hervor, auch wenn manche Elemente an Wirkung verlieren. Für das Publikum bleibt die Produktion eine fesselnde, wenn auch nicht makellose Erkundung von Begierde und Zerstörung.

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