Pflegekosten explodieren: Über 3.200 Euro für Heime, Angehörige am Limit
Janin FinkePflegekosten explodieren: Über 3.200 Euro für Heime, Angehörige am Limit
Die Kosten für die Langzeitpflege in Deutschland haben Rekordhöhen erreicht: Heimbewohner zahlen 2026 im Schnitt über 3.200 Euro pro Monat. Gleichzeitig bleibt die ambulante Pflege im Durchschnitt deutlich günstiger – auch wenn die Ausgaben bei schwer Pflegebedürftigen auf über 7.000 Euro im Monat steigen können. Kritiker bezeichnen die Kluft zwischen den beiden Systemen als "skandalöses Ungleichgewicht".
Der Großteil der pflegebedürftigen Menschen in Deutschland (85,9 %) wird zu Hause versorgt. Mehr als die Hälfte von ihnen (54,5 %) ist dabei vollständig auf Angehörige angewiesen, die im Schnitt 49 Stunden pro Woche Pflege leisten. Ein Viertel dieser pflegenden Familienmitglieder widmet sogar mindestens 57 Stunden wöchentlich der Betreuung.
Die Eigenbeteiligung für die häusliche Pflege variiert stark: Sie reicht von 340 Euro bis zu 7.441 Euro monatlich, der Median liegt bei 2.085 Euro. Bei hohem Pflegebedarf können die persönlichen Kosten jedoch mehr als 7.000 Euro betragen.
Auch die Heimpflegekosten unterscheiden sich je nach Region und Aufenthaltsdauer. In Bayern zahlten Neubewohner 2024 durchschnittlich 2.994 Euro im Monat, während Langzeitbewohner etwa 2.701 Euro entrichteten. In Baden-Württemberg lagen die Erstkosten mit 2.907 Euro etwas niedriger. Bis 2026 stieg der bundesweite Durchschnitt für Pflegeheime auf über 3.200 Euro an.
Das deutsche Sozialsystem bevorzugt zwar die häusliche Pflege, und Betroffene haben ein gesetzliches Recht auf ihre bevorzugte Versorgungsform. Dennoch kritisiert der Bundesverband der Angehörigenpflege, dass die ambulante Pflege – besonders für Schwerstpflegebedürftige – weiterhin benachteiligt sei.
Die wachsende Schere zwischen den Kosten für ambulante und stationäre Pflege hat Forderungen nach politischem Handeln laut werden lassen. Da Angehörige den Großteil der Pflege übernehmen, bleibt die finanzielle Belastung für die Haushalte ungleich verteilt. Gleichzeitig steigen die Heimentgelte weiter – und setzen Pflegebedürftige zusätzlich unter Druck.