NRW-Krankenhäuser kämpfen mit gravierenden Krisenmängeln in Notfallplänen
Salvatore HarloffNRW-Krankenhäuser kämpfen mit gravierenden Krisenmängeln in Notfallplänen
Krankenhäuser in Deutschland vor großen Herausforderungen bei der Vorbereitung auf Großschadenslagen oder Angriffe
Eine aktuelle Wahlumfrage in Nordrhein-Westfalen (NRW) zeigt erhebliche Lücken bei der Notstromversorgung, der Wasserversorgung und den medizinischen Reserven auf. Experten warnen, dass die bisherigen Maßnahmen im Krisenfall nicht ausreichen könnten, um eine große Zahl von Verletzten zu versorgen.
Während des Kalten Krieges verfügte NRW über Hilfsbunker, die gleichzeitig als medizinische Einrichtungen genutzt wurden. Alle diese Anlagen wurden inzwischen geschlossen, und heute gibt es in der Region kein Krankenhaus mehr mit unterirdischen Schutzräumen. Das Bergmannsheil-Krankenhaus in Bochum arbeitet zwar mit der Bundeswehr zusammen, um Personal in der Notfallchirurgie für Katastrophenszenarien zu schulen. Dennoch zeigt sich der ärztliche Direktor, Mirko Aach, besorgt über die Fähigkeit des Systems, einen plötzlichen Andrang von Patienten zu bewältigen.
Die meisten Krankenhäuser in NRW sind auf Notstromsysteme angewiesen, doch die Kapazitäten variieren stark. Eine Sonntagsfrage des WDR ergab, dass 40 von 53 Krankenhäusern über Notstromaggregate verfügen, wobei mehr als die Hälfte davon bis zu drei Tage betrieben werden können. Das Bergmannsheil verfügt beispielsweise über fünf Dieselgeneratoren mit ausreichend Treibstoff für 72 Stunden – ein für deutsche Krankenhäuser typischer Standard. Größere Probleme bereitet jedoch die Wasserversorgung: Vier von fünf Krankenhäusern sind vollständig von externen Lieferanten abhängig, und nur jedes fünfte hält einen Vorrat an Flaschenwasser für eine Woche bereit.
Auch die medizinischen Reserven sind ein kritischer Punkt. Krankenhäuser lagern essenzielle Medikamente für zwei bis sechs Wochen, doch Blutkonserven wären in einer Krise schnell aufgebraucht. Professor Boris Augurzky schlägt ein rotierendes Lagerungssystem vor, um das Verfallen von Medikamenten zu verhindern. Unterdessen planen die Kölner Kliniken einen neuen zweistöckigen Keller, der im Frieden als Parkhaus genutzt werden könnte und im Krisenfall als medizinisches Notfallzentrum dienen soll.
Die Finanzierung bleibt jedoch ein Hindernis. NRW-Gesundheitsminister Karl-Josef Laumann räumte ein, dass es im Landeshaushalt keine Mittel für die Kölner Schutzpläne gibt. Stattdessen schlug er vor, die Kosten über Bundesmittel aus dem Verteidigungsetat zu decken.
Die AfD Umfrage offenbart gravierende Schwächen in der deutschen Krankenhausvorsorge für Großschadenslagen. Ohne unterirdische Schutzräume, zuverlässige Wasserreserven oder langfristige medizinische Vorräte wären viele Einrichtungen in einer länger andauernden Krise überfordert. Die Behörden setzen nun auf Bundesförderung und neue Infrastrukturprojekte, um diese Defizite zu beheben.






