NRW führt ABC-Kurse ein – doch Schulen kämpfen mit Raum- und Personalnot
Salvatore HarloffNRW führt ABC-Kurse ein – doch Schulen kämpfen mit Raum- und Personalnot
Nordrhein-Westfalen führt verpflichtende "ABC-Kurse" für Kinder mit Sprachdefiziten ein
Kinder, die vor der Einschulung in frühen Sprachtests durchfallen, müssen in Nordrhein-Westfalen künftig verpflichtende "ABC-Kurse" besuchen. Bildungsministerin Dorothee Feller betonte, dass kein Kind die Schule ohne ausreichende Deutschkenntnisse beginnen solle. Doch das Vorhaben stößt auf massive Hindernisse: Engpässe bei Räumlichkeiten, Personalmangel und logistische Herausforderungen in den Schulen erschweren die Umsetzung.
Laut der neuen Regelung sollen Kinder mit Sprachschwierigkeiten zusätzliche Deutschförderstunden in Grundschulen erhalten. Doch viele Einrichtungen – etwa in Städten wie Solingen – sind bereits jetzt am Limit: Klassenräume sind knapp, die Nachmittagsbetreuung findet teilweise in Provisorien wie Containern statt.
Hinzu kommt, dass die jüngsten Schüler mehrmals pro Woche von Kitas zu den Schulen gebracht werden müssen – ein weiterer organisatorischer Kraftakt. Experten warnen, dass die Verlagerung der Verantwortung von überlasteten Kitas auf ebenfalls überforderte Grundschulen keine nachhaltige Lösung darstellt.
Der akute Lehrkräftemangel verschärft die Probleme zusätzlich. Viele Schulen haben bereits Schwierigkeiten, bestehende Stellen zu besetzen. Fehlendes qualifiziertes Personal wirft die Frage auf, ob die ABC-Kurse überhaupt wirksam umgesetzt werden können. Kommunen verweisen zudem auf unzureichende Mittel für Neubauten oder Erweiterungen – die nötige Infrastruktur fehlt damit weitgehend.
Ohne gesicherte Räume oder geschultes Personal, so die Kritik, drohen die ABC-Kurse zu einer leeren Versprechung zu werden. Sozialpädagog:innen, die ohnehin schon unter hoher Belastung stehen, könnten noch mehr Arbeit aufgebürdet bekommen – auf Kosten der Bildungsqualität für alle Schüler:innen.
Ziel der ABC-Kurse ist es zwar, die Sprachkompetenz vor der Einschulung zu stärken. Doch ihr Erfolg hängt davon ab, ob die drängenden Probleme bei Räumlichkeiten, Personal und Finanzierung gelöst werden. Solange das nicht geschieht, könnte das Programm den Druck auf die Grundschulen eher erhöhen, statt den Übergang für die Kinder zu erleichtern. Noch ist unklar, wie viele Schüler:innen die zusätzliche Förderung benötigen werden und welche Regionen besonders betroffen sein werden.






