NDR trennt sich von Moderatorin Julia Ruhs nach politischer Debatte
Toralf ZänkerNDR trennt sich von Moderatorin Julia Ruhs nach politischer Debatte
Der Norddeutsche Rundfunk (NDR) hat die Moderatorin Julia Ruhs als alleinige Gastgeberin seiner Reportagereihe "Klar" abgesetzt. Die Entscheidung folgt einer öffentlichen Debatte über ihre politischen Ansichten und frühere Äußerungen. Ruhs, die sich selbst als konservativ-liberal einordnet, wird die Sendung für den NDR nicht mehr präsentieren, bleibt aber weiterhin Moderatorin beim Bayerischen Rundfunk (BR).
Drei bereits von Ruhs eingereichte Folgen für den NDR waren von der Redaktion abgesegnet worden. Dennoch entschied sich der Sender für einen Wechsel: Tanit Koch wird die verbleibenden "Klar"-Beiträge übernehmen. Ruhs hatte sich in nur drei Jahren von einer BR-Volontärin zur Moderatorin hochgearbeitet und dabei mit ihrer deutlichen Haltung zu Medien und Politik Aufmerksamkeit erregt.
Die Entscheidung löste Kritik aus – etwa von Oliver Welke, Moderator der ZDF-"heute show". In einer Sendung spielte er einen Ausschnitt aus einem "Cicero"-Interview mit Ruhs ein, in dem sie sagte: "Selbst einige meiner Freunde haben recht konservative Ansichten." Welke argumentierte, der NDR hätte sie behalten sollen, und meinte: "Wir müssen alle mehr aushalten können." Ruhs reagierte auf X (ehemals Twitter) und nannte den Beitrag "etwas fies, aber sehr witzig".
Nicht alle teilten Welkes Meinung. Die Komikerin Idil Baydar (bekannt als "Jilet Ayse") verteidigte die NDR-Entscheidung und bezeichnete die Kritik als "Populismus und schlechten Journalismus". Ruhs hatte sich zuvor selbst als Opfer von Cancel Culture inszeniert – eine Darstellung, die in Interviews und Podcasts aufgegriffen wurde, etwa als Sahra Wagenknecht im September 2025 öffentlich-rechtliche Sender kritisierte.
Trotz der Kontroverse bleibt Ruhs beim BR im Amt. Der Sender äußerte sich nicht dazu, ob ihre politischen Positionen eine Rolle bei der Entscheidung spielten, sie zu halten.
Der Streit verdeutlicht die Spannungen zwischen öffentlich-rechtlichen Sendern und Moderator:innen mit polarisierenden Meinungen. Während Ruhs beim BR weiterarbeitet, setzt der NDR mit Koch auf eine neue Besetzung für "Klar". Die Debatte um ihren Abgang spiegelt die größeren Diskussionen über mediale Neutralität und die Grenzen der Meinungsfreiheit wider.






