31 December 2025, 04:27

Mainz wagt 2026 eine radikale Nibelungen-Neuerfindung mit britischer Regie

Menschen in Kostümen auf einer Bühne mit einem Vorhang im Hintergrund

London Puppenstars - Die Nibelungen gehen international - Mainz wagt 2026 eine radikale Nibelungen-Neuerfindung mit britischer Regie

Mainz präsentiert 2026 eine kühne Neuinterpretation des Nibelungenstoffs

Vom 17. Juli bis zum 2. August 2026 findet in Mainz das Festival "Siegfried der Drachentöter" und "Hagen" statt – inszeniert von der britischen Theatercompany "Les Enfants Terribles". Erstmals übernimmt damit ein nicht-deutsches Team die Regie über das Epos in Rheinland-Pfalz und verspricht einen frischen, visuell gewagten Zugang.

Die Aufführungen entstehen vor der Kulisse des Mainzer Kaiserdoms und verbinden Zirkus, Tragödie und Spektakel. Die Veranstalter beschreiben den Abend als ein Spiel der Gegensätze – Poesie und Gewalt, Humor und Finsternis –, das sich im wechselnden Licht der untergehenden Sonne entfaltet.

Die britische Regie führt das Duo Oliver Lansley und James Seager, deren Produktion den Titel "Die Hunnenkönigin" trägt. Bekannt für ihre markanten, genreübergreifenden Arbeiten, haben sich die beiden einen Namen damit gemacht, Masken, Puppenspiel und Performancekunst zu verschmelzen. Ihre Version des "Nibelungenlieds" wird zwar keinen riesigen Drachen wörtlich zeigen, doch seine Präsenz durch kreative Bühnengestaltung andeuten.

Nico Hofmann, künstlerischer Leiter des Festivals, nennt die Wahl einer britischen Company eine "fröhliche Anarchie" – einen bewussten Bruch mit der Tradition. Als Außenstehende und zugleich Erben des Mythos entdeckten Lansley und Seager universelle Themen in der uralten Erzählung. Für die Vorstellungen wird eine Tribüne mit Platz für rund 1.400 Zuschauer errichtet. Die Tickets kosten zwischen 29 und 139 Euro und bieten Blick auf eine Inszenierung, die sich mit dem schwindenden Tageslicht wandelt. Die Regisseure nutzen das sich verändernde Licht, um die Stimmung von strahlendem Spektakel zu düsterem Drama werden zu lassen. Das Stück verspricht aufwendige Kostüme, monumentale Masken und einen Ton, der zwischen Humor und Abgrund oszilliert. Obwohl im "Nibelungenlied" verwurzelt, lässt diese Interpretation dem Mythos Raum, sich auf unerwartete Weise zu entfalten.

Das Festival 2026 deutet einen Grundpfeiler der deutschen Sage durch eine deutlich britische Brille um. Mit seiner Mischung aus Zirkus, Tragödie und visueller Erfindungskraft will die Produktion sowohl lokale Zuschauer als auch internationale Gäste anziehen.

Im Herzen von Mainz fortgeführt, knüpft die Veranstaltung an die Tradition der Stadt an, den Nibelungenstoff lebendig werden zu lassen – diesmal mit einer mutigen, grenzenverschiebenden Note.

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