Lokale Apotheken kämpfen ums Überleben gegen Online-Konkurrenz wie Shop Apotheke
Janin FinkeLokale Apotheken kämpfen ums Überleben gegen Online-Konkurrenz wie Shop Apotheke
Deutsche Apotheken geraten unter Druck: Online-Händler drängen auf den Markt
Die deutschen Apotheken stehen vor wachsendem Druck, da Online-Händler ihre Geschäfte ausbauen. Eine viel beachtete Werbekampagne des TV-Moderators Günther Jauch für die niederländische Online-Apotheke Shop Apotheke hat bei heimischen Apothekern Empörung ausgelöst. Sie warnen, dass stationäre Apotheken weiter zurückgehen könnten – mit der Folge, dass Gemeinden weniger Möglichkeiten für fachkundige Beratung hätten.
Dass es um das Überleben geht, zeigt sich in Essen, wo Jan und Janet Olgemöller die Wasserturm-Apotheke führen – eine von nur noch drei Apotheken in ihrem Stadtteil. Um konkurrenzfähig zu bleiben, bieten sie mittlerweile eine App, Impfleistungen und Blutdruckmessungen an. Ihr Argument ist klar: Medikamente erfordern professionelle Beratung, und Online-Konkurrenten könnten dieses Maß an Betreuung nicht bieten.
Schrumpfendes Apothekennetz: Veraltete Strukturen begünstigen ausländische Konzerne
Das deutsche Apothekennetz wird seit Jahren kleiner. Seit 2004 haben rund 3.399 lokale Apotheken geschlossen – ein Rückgang um 19,7 Prozent von einst 20.000 auf voraussichtlich 16.601 im Jahr 2025. Die Ursachen liegen in veralteten Gebührenregelungen und einer Politik, die ausländische Großkonzerne begünstigt. Vor 2004 verdienten Apotheker einen prozentualen Anteil an jedem verkauften Medikament, doch seitdem gibt es feste Vergütungen – mit nur einer Anpassung um 3,1 Prozent im Jahr 2013. Die Gewinne schrumpften seither zusehends.
Online-Apotheken im Vorteil: Rabattverbot und KI-gestützte Logistik
Online-Apotheken wie Redcare haben klare Vorteile: Sie unterliegen nicht dem Rabattverbot für verschreibungspflichtige Medikamente und können so stationäre Apotheken unterbieten. Redcares neues, KI-gesteuertes Logistikzentrum in Deutschland wird die Kapazitäten bald weiter erhöhen, während E-Rezepte die digitale Bestellung erleichtern. Das Unternehmen rechnet mit starkem Wachstum – und setzt traditionelle Apotheken damit zusätzlich unter Druck.
Die Olgemöllers fürchten, dass lokale Apotheken bei anhaltendem Trend bald nur noch die komplexesten Fälle betreuen werden. Ohne Kurswechsel könnte die Apothekendichte in Deutschland – bereits eine der niedrigsten in Europa – weiter sinken.
Preisvorteile und Bequemlichkeit treiben den Wandel voran
Der Trend zu Online-Apotheken beschleunigt sich, angetrieben durch niedrigere Preise und mehr Komfort. Lokale Apotheker wie die Olgemöllers passen sich an, doch ohne politische Weichenstellungen drohen weitere Schließungen. Die Folge: weniger Apotheken vor Ort – und weniger persönliche Betreuung für Patienten.






