02 April 2026, 22:12

Jürgen Thebrath – ein investigativer Journalist, der Macht missbrauchte aufdeckte, ist tot

Titelseite einer deutschen Zeitung vom 13. November 1939 mit der Überschrift "Weitpreubliche Zeitung", die eine Gruppe von Menschen in traditioneller deutscher Kleidung in einer feierlichen Umgebung zeigt.

Trauer um TV-Journalist Jürgen Thebrath - Jürgen Thebrath – ein investigativer Journalist, der Macht missbrauchte aufdeckte, ist tot

Jürgen Thebrath, ein einflussreicher Fernsehjournalist, der vor allem für seine investigativen Arbeiten bekannt war, ist im Alter von 78 Jahren gestorben. Sein Tod wurde am 10. November vom Westdeutschen Rundfunk (WDR) bestätigt. In einer Karriere, die sich über mehr als drei Jahrzehnte erstreckte, machte er sich einen Namen, indem er brisante Missstände aufdeckte und Machtträger zur Rechenschaft zog.

Thebrath stieg 1985 beim ARD-Investigativmagazin Monitor ein und arbeitete dort bis 1991 als Redakteur. Besonders bekannt wurde er 1987 durch einen Beitrag, in dem er über Larvenbefall in frischem Hering berichtete. Die Enthüllung hatte weitreichende Folgen: In den Monaten nach der Ausstrahlung ging der Fischkonsum in Westdeutschland um 25 Prozent zurück. Als Reaktion führten Gesetzgeber strengere Hygienevorschriften für die Fischereiindustrie ein.

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Für seine Arbeit erhielt er zweimal den Grimme-Preis, eine der renommiertesten Auszeichnungen für Fernsehjournalismus in Deutschland. Neben seiner Tätigkeit bei Monitor übernahm Thebrath Führungspositionen beim WDR und stieg schließlich zum stellvertretenden Chefredakteur für das Fernsehprogramm auf, eine Position, die er bis zu seinem Ruhestand 2011 innehatte. Zudem leitete er die ARD-Auslandsstudios in New York und Brüssel und erweiterte so seinen Einfluss über die nationale Berichterstattung hinaus.

WDR-Programmdirektor Jörg Schönenborn bezeichnete Thebrath später als einen Journalisten, der sich mit großer Hingabe der Kontrolle der Mächtigen verschrieben habe. Seine Laufbahn verband investigative Gründlichkeit mit langjähriger redaktioneller Verantwortung und hinterließ so nachhaltige Spuren im deutschen Medienwesen.

Thebraths Tod markiert das Ende einer Karriere, die von hartnäckigem Journalismus und institutioneller Führungsstärke geprägt war. Seine Untersuchung von 1987 veränderte nicht nur das Verbraucherverhalten, sondern führte auch zu dauerhaften Reformen im Lebensmittelrecht. Kollegen und Branchenvertreter erinnern sich an ihn als einen entschlossenen Reporter, für den die Wahrung von Verantwortung stets an erster Stelle stand.

Quelle