12 March 2026, 18:15

Igor Levit kämpft mit Musik und Mut gegen den wachsenden Antisemitismus in Europa

Ein altes Buch mit dem Titel "Waltz Piano-Forte, Composition for Beethoven" liegt aufgeschlagen da, zeigt eine Seite mit schwarzem Text.

Igor Levit kämpft mit Musik und Mut gegen den wachsenden Antisemitismus in Europa

Der Pianist Igor Levit ist seit langem eine prägende Figur der klassischen Musik, doch in den letzten Monaten rückt vor allem sein Engagement in den Mittelpunkt. Seit Oktober 2023 erhebt er mit Nachdruck seine Stimme gegen den wachsenden Antisemitismus in Europa und verbindet dabei Kunst mit politischer Überzeugung. Nun, während er sich auf eine große Konzertreihe in Wien vorbereitet, finden seine Bemühungen, Hass entgegenzutreten und das jüdische Erbe zu würdigen, zunehmend Beachtung.

Levits öffentliche Haltung gegen Antisemitismus festigte sich nach dem Terrorangriff der Hamas auf Israel am 7. Oktober 2023. Seine jüdische Identität, einst eine private Angelegenheit, wurde zur treibenden Kraft seines Aktivismus. Im November 2023 unterzeichnete er gemeinsam mit über 100 Musikern einen offenen Brief, der Antisemitismus in der deutschen Klassikszene anprangerte, und trat bei Benefizkonzerten der Kampagne Musik gegen Antisemitismus auf. Anfang 2024 schloss er sich dem Bündnis Klang gegen Hass an, das sich für Diversitätstrainings einsetzt und den Boykott von Künstlern mit antisemitischen Verbindungen fordert.

Die Einweihung der Reichenbach-Synagoge in München im September markierte einen weiteren bewegenden Moment. Levit, der an der Eröffnung des Gebäudes mitwirkte, bezeichnete die Rede von Bundeskanzler Friedrich Merz als aufrichtig und ergreifend – so sehr, dass Merz dabei in Tränen ausbrach. Doch die Feierlichkeiten hinterließen bei Levit zwiespältige Gefühle: Dankbarkeit für die Wiederbelebung der Synagoge, aber auch tiefe Trauer angesichts des wiedererstarkten Antisemitismus in Europa.

Seine Sorgen spiegeln sich in jüngsten Kontroversen wider, etwa der Absage eines Konzerts des Dirigenten Lahav Shani in Belgien. Levit stimmte der Einschätzung von Operndirektor Serge Dorny zu, dass diese Entscheidung auf vorauseilendem Gehorsam gegenüber dem Pöbel beruhe – ein Muster, das er fürchtet, könnte sich wiederholen. Trotz der Risiken lässt er sich nicht einschüchtern und betont, dass Schweigen nur den Opportunisten in die Hände spiele.

Vom 17. bis 22. Oktober kehrt Levit nun auf die Bühne des Wiener Musikvereins zurück – mit einer Konzertreihe, die dem Leben und der Widerstandskraft huldigt. Das Programm ehrt Komponisten wie Schostakowitsch, Mendelssohn und Beethoven, deren Werke für ihn Botschaften des Trotzes und der Hoffnung tragen.

Für sein Engagement wurde Levit bereits ausgezeichnet, etwa 2020 mit dem Verdienstorden der Bundesrepublik Deutschland, und erhält Lob vom Internationalen Auschwitz-Komitee. Doch ihm geht es nicht um Auszeichnungen, sondern um Taten. Angesichts steigender antisemitischer Vorfälle und des Drucks auf Kultureinrichtungen sind seine Konzerte und Kampagnen gleichermaßen Protest und Mahnmal – ein Beweis für die Kraft der Musik, die gegen Hass verbindet.

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