Grüne debattieren über Rückkehr der Dienstpflicht – Brantner setzt auf Freiwilligkeit
Agata HübelGrüne debattieren über Rückkehr der Dienstpflicht – Brantner setzt auf Freiwilligkeit
Ein Vorschlag zur Wiedereinführung einer allgemeinen Dienstpflicht in Deutschland hat innerhalb der Grünen eine Debatte ausgelöst. Die Parteivorsitzende Franziska Brantner zeigte sich der Idee gegenüber zurückhaltend, betonte jedoch die Notwendigkeit von Generationengerechtigkeit. Das Thema soll nun auf dem Parteitag Ende November diskutiert werden.
Die öffentliche Debatte über die Wehrpflicht hat seit dem russischen Angriff auf die Ukraine 2022 an Fahrt aufgenommen. Deutschland hatte die allgemeine Wehrpflicht 2011 ausgesetzt, führte jedoch mit dem Wehrdienstmodernisierungsgesetz von 2025 eine Meldepflicht und Musterung für junge Männer – und freiwillig auch für Frauen – wieder ein. Obwohl der Dienst weiterhin auf freiwilliger Basis geleistet wird, stieß das Gesetz auf Kritik, insbesondere wegen der Regelung, dass Männer zwischen 17 und 45 Jahren für Auslandsaufenthalte von mehr als drei Monaten die Genehmigung der Bundeswehr einholen müssen. Anfang 2026 kam es zu Protesten, bei denen vor allem junge Menschen gegen diese als Zwang empfundenen Auflagen demonstrierten.
Brantner erkennt die Frustration unter jungen Deutschen an, die sich nicht nur durch Rentenreformen, sondern auch durch wirtschaftliche Belastungen verstärkt hat. Sie besteht darauf, dass ein neues System das grundgesetzlich verankerte Recht auf Kriegsdienstverweigerung respektieren müsse. Statt einer Pflichtteilnahme setzt sie darauf, den Wehrdienst attraktiver zu gestalten und ein freiwilliges Meldesystem für über 18-Jährige einzuführen.
Die Co-Vorsitzende plädiert zudem für einen generationenübergreifenden Gesellschaftsvertrag, der den nationalen Dienst mit besserem Bildungszugang und ambitionierteren Klimaschutzmaßnahmen verknüpft. Sie ist überzeugt, dass vielfältige Fähigkeiten – vom 45-jährigen Drohnenexperten bis zur 51-jährigen Köchin – in Krisensituationen entscheidend sein könnten. Unterstützung für den Vorschlag kommt von prominenten Grünen wie Mona Neubaur, Katharina Fegebank, Katharina Schulze, Tarek Al-Wazir und Anton Hofreiter.
Auf dem Parteitag im November wird die Partei offiziell über den Antrag beraten. Eventuelle Änderungen müssten die Sicherheitsbedürfnisse mit den Anliegen jüngerer Bürgerinnen und Bürger in Einklang bringen. Brantners Fokus bleibt auf der Freiwilligkeit der Teilnahme und einer fairen Ausgestaltung des Systems.






