Gefälschte Null-Euro-Tickets: Aktivisten täuschen Deutsche Bahn mit kühner Protestaktion
Janin FinkeGefälschte Null-Euro-Tickets: Aktivisten täuschen Deutsche Bahn mit kühner Protestaktion
Falsche Plakate für kostenlose Bahnfahrten tauchen an über 20 deutschen Bahnhöfen auf
An mehr als 20 deutschen Bahnhöfen sind gefälschte Plakate aufgetaucht, die kostenlose Zugfahrten bewerben. Die von Aktivisten organisierte Aktion imitiert das offizielle Ticketdesign der Deutschen Bahn. Die Gruppe hinter der Kampagne gibt an, damit für einen flächendeckend kostenlosen Nahverkehr im Land protestieren zu wollen.
Das Aktivistenkollektiv Widerstands-Kollektiv hat sich zu der Aktion bekannt. Die Gruppe ersetzte echte Werbung durch Plakate, die ein sogenanntes Null-Euro-Ticket bewarben – einen erfundenen Fahrausweis ohne Kosten. Zur Verbreitung ihrer Botschaft wurde zudem die Website bahn-kostenlos.info gestartet.
Die Deutsche Bahn verurteilte die Plakate als betrügerisch und prüft rechtliche Schritte. Das Werbeunternehmen Ströer bestätigte, dass die unbefugten Anbringungen bereits entfernt wurden. Betroffen waren unter anderem Bahnhöfe in Nordrhein-Westfalen, Niedersachsen und Schleswig-Holstein.
Die Aktivisten behaupten, keine Gesetze gebrochen zu haben, da sie die Vitrinen der Werbeflächen ohne Beschädigung geöffnet hätten. Allerdings kann das sogenannte Adbusting – das Verändern oder Ersetzen von Werbung für politische Botschaften – in Deutschland strafbar sein. Ein Berliner Urteil aus dem Jahr 2019 entschied, dass solche Aktionen mit Konsequenzen rechnen müssen, wenn die Originalplakate nicht sorgfältig aufbewahrt oder die Vitrinen beschädigt werden.
Die Aktivisten fordern bundesweit kostenlose Bus- und Bahnfahrten. Zudem soll ihrer Meinung nach die Förderung von Dienstwagen zugunsten der Finanzierung des öffentlichen Verkehrs umgelenkt werden.
Die gefälschte Ticketkampagne wurde zwar entfernt, doch die Debatte über kostenlosen Nahverkehr hält an. Mögliche juristische Schritte der Deutschen Bahn könnten Präzedenzfälle für künftige Adbusting-Aktionen schaffen. Die Website der Gruppe bleibt online und hält die Forderung nach ticketfreiem Verkehr weiterhin in der öffentlichen Diskussion präsent.






