Forderung nach flächendeckendem islamischem Unterricht in NRW-Grundschulen
Toralf ZänkerForderung nach flächendeckendem islamischem Unterricht in NRW-Grundschulen
Ein neuer Bericht fordert die Ausweitung des islamischen Religionsunterrichts (IRU) an allen Schulen in Nordrhein-Westfalen. Die vom Zentrum für Islamische Theologie der Universität Münster durchgeführte Evaluation hebt die Erfolge des Programms bei der Steigerung religiöser Bildung und der Verringerung extremistischer Einflüsse hervor. Die am 21. Januar 2026 dem Schulausschuss des Landtags vorgestellten Ergebnisse plädieren für eine flächendeckende Einführung mit besserer Unterstützung und einem Fokus auf gesellschaftlich relevante Themen.
Unter der Leitung von Professor Mouhanad Khorchide analysierte das Zentrum für Islamische Theologie der Universität Münster die Wirkung des Unterrichts. Die Studie zeigt, dass Schülerinnen und Schüler den IRU als "alltagsrelevant, motivierend und befriedigend" beschreiben. Wer länger daran teilnimmt, weist eine höhere religiöse Bildung auf und vertritt seltener starre, befehlsorientierte Glaubensauffassungen.
Lehrkräfte, Eltern und Schulleitungen äußerten eine "überwiegend positive Haltung" gegenüber dem Programm. Gelobt wurde insbesondere seine Rolle bei der Vermittlung von "Orientierungswissen und religiöser Artikulationsfähigkeit". Das Vertrauen in die Lehrkräfte erwies sich als entscheidender Faktor für den Erfolg. Aktuell bieten nur 247 der rund 5.400 Schulen im Land IRU an, wobei 332 Lehrkräfte 31.673 muslimische Schülerinnen und Schüler unterrichten – das entspricht lediglich 6 Prozent der berechtigten Zielgruppe.
Der Bericht positioniert den IRU als "pädagogische Gegenkraft" zu extremistischem Content auf Plattformen wie TikTok, wo oft rückständige religiöse Vorstellungen verbreitet werden. Durch strukturierte Wissensvermittlung bietet er Jugendlichen eine Alternative zu ungefilterten Online-Narrativen. Die Autoren empfehlen eine landesweite Umsetzung und betonen den Bedarf an Ressourcen und Fortbildungen. Eine breitere Verfügbarkeit könnte, so ihr Argument, den gesellschaftlichen Zusammenhalt und das kritische Denken junger Musliminnen und Muslime in der Region stärken.
Die Empfehlungen des Berichts liegen nun den politischen Entscheidungsträgern zur Prüfung vor. Bei einer Umsetzung würde die Ausweitung einen bedeutenden Wandel in der Vermittlung islamischer Bildung in Nordrhein-Westfalen bedeuten. Im Mittelpunkt steht dabei, das Programm auszubauen, ohne seine Qualität und Wirkung zu beeinträchtigen.






