30 March 2026, 22:13

Florentina Holzingers Sancta polarisiert erneut an der Staatsoper Stuttgart

Plakat für das Théâtre de l'Opéra in Paris mit einer Frau in einem weißen Kleid mit einem blauen Schal, ihr Haar zu einem Dutt gebunden, vor einem tiefblauen Hintergrund mit Sternen und schwarzer Schrift, die 'Theater der Oper' lautet.

Florentina Holzingers Sancta polarisiert erneut an der Staatsoper Stuttgart

Florentina Holzingers umstrittene Oper Sancta kehrt im Herbst an die Staatsoper Stuttgart zurück

Die Inszenierung, die bei ihrer Premiere heftige Debatten auslöste, wird das Publikum mit ihrem radikalen Ansatz der Performance-Kunst erneut herausfordern.

Geplant sind fünf Vorstellungen am 3., 4. und 5. Oktober sowie am 1. und 2. November. Während für die Oktober-Termine noch Karten verfügbar sind, sind die November-Aufführungen bereits ausverkauft.

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Sancta feierte im Mai und Juni Premiere und schockierte das Publikum mit schonungsloser Nacktheit und provokanten Bildern. Szenen mit nackten Nonnen sollen bei einigen Zuschauern zu Ohnmachtsanfällen geführt haben – insgesamt gab es trotz Trigger-Warnung 18 medizinische Zwischenfälle. Der radikale Stil der Oper sprengte alle traditionellen Erwartungen und brach bewusst mit Konventionen.

Inspiriert ist die Produktion von Paul Hindemiths Sancta Susanna, einem Werk, das 1921 wegen angeblicher Blasphemie verboten wurde. Holzingers Neuinterpretation jedoch rückt Frauen in den Mittelpunkt, die sich ihren Platz in der Kirchengeschichte zurückerobern – ein Thema, das in christlichen Erzählungen lange unterdrückt wurde. Der kreative Prozess umfasste intensive Proben, bei denen bis kurz vor der Premiere neue Elemente eingefügt wurden.

Dirigentin Marit Strindlund, bekannt für ihr Wirken im experimentellen Musiktheater, bezeichnet Sancta als bahnbrechende Form der Bühnenkunst. Viktor Schoner, Intendant der Staatsoper, verteidigt die Produktion als notwendige Provokation, die die Oper aus ihrer traditionellen "Blase" befreie, ohne künstlerische Qualität einzubüßen. Für Schoner steht dies für einen größeren Wandel hin zu mutigeren, zeitgemäßeren Praktiken in der Oper des 21. Jahrhunderts.

Sancta bleibt ein Diskussionsstoff, der Schockmomente mit einer kraftvollen feministischen Erzählung verbindet. Die Entscheidung der Staatsoper Stuttgart, das Werk erneut auf die Bühne zu bringen, spiegelt das wachsende Interesse an experimentellen Stücken wider, die sowohl Form als auch Inhalt infrage stellen. Wer die Oktober-Aufführungen besucht, erlebt eine Produktion, die bereits jetzt Spuren in der modernen Oper hinterlassen hat.

Quelle