EU und Indien verhandeln über bahnbrechendes Freihandelsabkommen mit Hürden
Toralf ZänkerEU und Indien verhandeln über bahnbrechendes Freihandelsabkommen mit Hürden
Die Europäische Union und Indien verhandeln derzeit über den Abschluss eines lange erwarteten Freihandelsabkommens. Die Gespräche, geführt von EU-Handelskommissar Maroš Šefčovič und Indiens Handelsminister Piyush Goyal, zielen darauf ab, die wirtschaftlichen Beziehungen zu vertiefen. Doch beide Seiten müssen noch Hindernisse überwinden, bevor ein Abkommen zustande kommt, das allen Beteiligten zugutekommt.
Deutschlands Exporte nach Indien sind seit 2019 um fast 40 Prozent gestiegen – ein Zeichen für die wachsenden Handelsbeziehungen. Gleichzeitig sind die Lieferungen nach China im gleichen Zeitraum um etwa 15 Prozent zurückgegangen. Ein erfolgreiches EU-Indien-Abkommen könnte die Abhängigkeit von chinesischen Importen weiter verringern, insbesondere in den Bereichen Elektronik und Maschinenbau.
Indiens expandierender Elektroniksektor eröffnet deutschen Herstellern neue Chancen. Das Land ist zudem weltweit führend in der IT-Branche und bietet Europa eine Alternative zur US-Dominanz im Technologiebereich. Dennoch gibt es weiterhin zentrale Streitpunkte, darunter Stahlimporte, Auto-Exportquoten und die EU-Klimazollabgabe. Die Landwirtschaft wird voraussichtlich weitgehend aus dem Abkommen ausgeklammert bleiben. Beide Seiten müssen Kompromisse eingehen, damit die Vorteile des Vertrags seine Nachteile überwiegen. Falls das Abkommen unterzeichnet wird, könnte Indien zu einem entscheidenden Handelspartner für die exportorientierten Volkswirtschaften der EU werden.
Das geplante Handelsabkommen hat das Potenzial, die Handelsbeziehungen zwischen der EU und Indien neu zu gestalten. Besonders deutsche Unternehmen könnten von einem leichteren Zugang zu Indiens wachsenden Märkten profitieren. Doch ob das Abkommen vorankommt, hängt davon ab, ob die Streitigkeiten über Zölle, Kontingente und Umweltvorschriften beigelegt werden können.






