15 March 2026, 06:14

EU-Saatgutverordnung bedroht Kleinbauern und seltene Pflanzensorten in Deutschland

Ein Plakat für Rohrer's Saatgut-Jahrbuch 1942 mit einer bunten Auswahl an Blumen, Pflanzen, Gras, einer Person, einem Haus, Bäumen und einem klaren blauen Himmel, mit Texten, die Informationen über die Saatgutarten liefern.

EU-Saatgutverordnung bedroht Kleinbauern und seltene Pflanzensorten in Deutschland

Ein geplanter EU-Saatgutverordnung wirft bei Kleinbauern und Saatgutbibliotheken in ganz Deutschland Besorgnis auf. Das neue Gesetz, das derzeit verhandelt wird, könnte den Handel mit traditionellem Saatgut erschweren und seltene Pflanzensorten bedrohen. Viele fürchten, dass die Änderungen kleine Erzeuger in den Ruin treiben und gleichzeitig die biologische Vielfalt in Gärten und auf Bauernhöfen verringern werden.

Das Europäische Parlament und der Rat der Agrarminister sind nach wie vor uneins über die Regelung. Während das Parlament Ausnahmen für kleine Saatguthersteller fordert, setzt der Rat auf einen strengeren Ansatz mit strengen Kontrollen. Die Verhandlungen zwischen der Europäischen Kommission, dem Parlament und den Mitgliedstaaten begannen im Februar 2026, doch ein klarer Kompromiss ist bisher nicht in Sicht.

In Düsseldorf warnt die Selbstversorgerin Anne Mommertz, dass das Gesetz seltene Saatgutsorten auslöschen könnte. Viele Ein-Personen-Saatgutbetriebe in der Region befürchten ebenfalls den finanziellen Kollaps, falls sie teure Zertifizierungsauflagen und hohe Gebühren erfüllen müssen. Ohne diese Nischenanbieter könnten Hobbygärtner bald nur noch auf standardisiertes Saatgut großer Industriekonzerne angewiesen sein.

Saatgutbibliotheken in Köln und Neuss arbeiten bereits daran, die biologische Vielfalt zu bewahren, indem sie kostenlose Saatgutverleihe anbieten. Claudia Neufurth von der Stadtbibliothek Neuss berichtet von einer hohen Nachfrage nach vielfältigem Saatgut – ein deutliches Zeichen für das starke öffentliche Interesse am Schutz traditioneller Sorten. Doch selbst diese gemeinnützigen Initiativen könnten Schwierigkeiten bekommen, den Zugang zu weniger verbreiteten Pflanzen zu erhalten, sollte die Verordnung in Kraft treten.

Das Ergebnis der EU-Verhandlungen wird entscheiden, ob kleine Saatguthersteller weiterarbeiten können. Falls die strengeren Regeln eingeführt werden, könnten seltene Sorten aus den Gärten verschwinden und den Anbauern weniger Optionen bleiben. Die endgültige Entscheidung hängt davon ab, ob die Gesetzgeber es schaffen, industrielle Standards mit den Bedürfnissen kleinerer Biodiversitätsinitiativen in Einklang zu bringen.

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