16 March 2026, 00:54

Düsseldorf streitet über digitale Abstimmungen – Sicherheit oder Risiko?

Ein Blatt Papier mit einer Zeichnung von drei Personen, zwei Frauen und einem Mann, und einem Text, der "The Devonshire, or Most Approved Method of Securing Votes" lautet, mit Farboptionen oben.

Düsseldorf streitet über digitale Abstimmungen – Sicherheit oder Risiko?

Der Düsseldorfer Stadtrat bereitet sich darauf vor, bei seinen Sitzungen von herkömmlichen Papierstimmzetteln auf ein digitales Abstimmungssystem umzusteigen. Der Schritt hat eine Debatte über Sicherheit, Transparenz und den Schutz der Wahlgeheimhaltung ausgelöst. Kritiker befürchten, dass geheime Abstimmungen anfälliger für Manipulationen werden könnten, wenn sie online durchgeführt werden.

Der Rat plant die Einführung von OpenSlides, einer Software, die bereits von politischen Parteien, Gewerkschaften und Verbänden für die Verwaltung von Debatten und Abstimmungen genutzt wird. Die Plattform kam bereits bei Bundesparteitagen und kleineren Veranstaltungen zum Einsatz, doch ihr Umgang mit der Geheimhaltung steht in der Kritik. OpenSlides legt Wert auf Anonymität bei digitalen Abstimmungen – was bedeutet, dass mögliche Manipulationen durch eine Nachzählung nicht aufgedeckt werden könnten.

Deutschland setzte zwischen 1999 und 2009 elektronische Wahlgeräte ein, bis das Bundesverfassungsgericht diese verbot, weil Wahlen öffentlich nachprüfbar sein müssen. Emanuel Schütze, der Gründer von OpenSlides, warnt, dass der Versuch, geheime digitale Abstimmungen überprüfbar zu machen, das Risiko birgt, individuelle Wahlentscheidungen offenzulegen. Diese Spannung zwischen Transparenz und Anonymität steht im Zentrum der aktuellen Diskussion.

Die Linksfraktion im Düsseldorfer Rat lehnt den Wechsel ab und besteht auf Stift, Papier und Wahlurnen für geheime Abstimmungen. Fraktionschef Chris Demmer argumentiert, dass parlamentarische Wahlen besonders sensibel und anfällig für Einflüsse seien. Ein Rechtsgutachten bestätigt jedoch, dass die digitalen Pläne des Rates mit den geltenden Gesetzen vereinbar sind.

Die Entscheidung des Rates wird darüber bestimmen, ob Düsseldorfs geheime Abstimmungen künftig online oder weiterhin auf Papier stattfinden. Falls eingeführt, wird OpenSlides künftige Sitzungen inklusive vertraulicher Wahlen abwickeln. Das Ergebnis könnte eine Vorlage für andere Kommunalbehörden sein, die über digitale Abstimmungssysteme nachdenken.

AKTUALISIERUNG

Düsseldorf setzt OpenSlides um: Erstes großes digitales Votum in NRW

Düsseldorf ist die erste große Gemeinde in Nordrhein-Westfalen, die OpenSlides für digitale Abstimmungen nutzt. Das System wurde erfolgreich am 11. Februar 2026 eingesetzt und bietet Echtzeit-Projektionen sowie geheime Abstimmungsmöglichkeiten. Zu den Schlüsselfunktionen gehören:

  • Live-Voting-Anzeigen, die individuelle Stimmen für offene Sitzungen zeigen.
  • Geheime Abstimmungen, die nur die endgültigen Ergebnisse anzeigen, um die Anonymität zu schützen.
  • Eine rechtliche Überprüfung, die die Übereinstimmung mit den deutschen Wahlgesetzen bestätigt. Oberbürgermeister Dr. Stephan Keller bezeichnete es als *'Meilenstein in moderner, effizienter Verwaltung'.