13 March 2026, 00:11

Duisburgs Stahlwerk HKM kämpft um grüne Zukunft nach knapper Rettung

Eine Schwarz-Weiß-Zeichnung eines geschäftigen Stahlwerks aus den 1910er Jahren mit zahlreichen Arbeitern, Pfählen und industrieller Ausrüstung.

Duisburgs Stahlwerk HKM kämpft um grüne Zukunft nach knapper Rettung

Duisburgs Stahlindustrie steht vor einem weiteren Wendepunkt: HKM entgeht knapp der Schließung

In Duisburg, wo nachts flüssiges Eisen den Himmel erleuchtet und Arbeiter stolz Kappen mit der Aufschrift Stahlkinder tragen, atmete man erleichtert auf, als Salzgitter AG das Werk übernahm. Doch die Zukunft bleibt ungewiss – und die Frage, ob der Standort auf grüne Produktion umstellen kann.

Seit Jahrzehnten prägt Stahl das Leben in Duisburg. Im Hüttenwerk Krupp Mannesmann (HKM) werden jährlich über vier Millionen Tonnen Stahl produziert, die Hochöfen tauchen die Nacht in ein gelbes Glühen. Arbeiter wie der ehemalige Fußballer Joachim Hopp meisterten einst harte Schichten im Werk und verkörperten dabei den Malocher-Geist – doch hinter dem Produktionsalltag schwelte die Unsicherheit, als Thyssenkrupp, der Mehrheitseigner, seinen Anteil verkaufen wollte.

Die Übernahme durch Salzgitter AG kam gerade noch rechtzeitig. Die Belegschaft fürchtete nicht nur um ihre Jobs, sondern auch um ihre Existenz. Vor einem Kiosk im Hüttenheim unterhalten sich Anwohner wie Ahmet und Murat zwar über Fußball, doch die Drohung einer Werksschließung sitzt ihnen noch in den Knochen. Jetzt bleibt HKM vorerst geöffnet – unter strengen Auflagen.

Der Wandel hat bereits begonnen: NRW-Wirtschaftsministerin Mona Neubaur kündigte 200 Millionen Euro für einen Lichtbogenofen an, ein Schritt in Richtung grüner Stahl. Thyssenkrupp selbst setzt unterdessen auf wasserstoffbasierte Produktion – Teil einer branchenweiten Anstrengung, die Emissionen zu senken, bevor die EU ab 2026 CO₂-Grenzausgleichsabgaben erhebt. Wie viel Stahl während der Umstellung produziert wird, bleibt offen, doch der Kurswechsel deutet auf einen tiefgreifenden Strukturwandel hin.

Thyssenkrupps Ausstieg aus HKM umfasst auch Verhandlungen über finanzielle Unterstützung für die Transformation des Standorts. Doch selbst mit neuem Eigentümer und Fördergeldern für grüne Technologien sind die langfristige Kapazität des Werks – und die damit verbundenen Arbeitsplätze – alles andere als gesichert.

Die Rettung von HKM verschafft Duisburg eine Atempause, doch die Zukunft hängt davon ab, ob der Standort die Wende zur klimaneutralen Produktion schafft. Der 200-Millionen-Euro-Lichtbogenofen könnte das Werk zu einem der ersten Produzenten von grünem Stahl in Deutschland machen. Noch brennen die Hochöfen, noch tragen die Arbeiter ihre Stahlkinder-Mützen – doch der Weg nach vorn wird mehr erfordern als bloße Tradition.

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