Dortmunds Ethikkommission zur Großwildjagd bleibt seit 18 Monaten untätig – und steht nun unter Druck
Salvatore HarloffDortmunds Ethikkommission zur Großwildjagd bleibt seit 18 Monaten untätig – und steht nun unter Druck
Dortmunds Ethikkommission, die 2023 eingerichtet wurde, um die Praxis der Großwildjagd zu überprüfen, steht wegen Untätigkeit in der Kritik. Die Kommission sollte eigentlich die ethische Vertretbarkeit von Jagdsafaris und deren Auswirkungen auf den Artenschutz bewerten. Doch mit der bevorstehenden Messe Jagd und Hund wächst der Druck auf Antworten.
Die fehlenden Fortschritte der Kommission haben unter lokalen Politikern eine Debatte ausgelöst. Einige fordern Ergebnisse noch vor der Sommerpause, andere stellen infrage, ob das Gremium überhaupt existieren sollte.
Die Kommission entstand nach jahrelangen hitzigen Diskussionen im Dortmunder Stadtrat. Ihre Aufgabe war es unter anderem zu prüfen, ob Jagdreisen – insbesondere auf bedrohte Arten – ethisch zu rechtfertigen sind. Die Ergebnisse sollten als Grundlage für Entscheidungen über Aussteller auf der Jagd und Hund dienen, einer der wichtigsten Messen für Jäger und Outdoor-Enthusiasten.
Doch die Kommission ist seit mindestens 18 Monaten inaktiv. Dortmunds neuer Oberbürgermeister gab kürzlich zu, dass es keine Protokolle der Sitzungen gibt – wegen lückenhafter Aktenführung. Diese Enthüllung sorgt bei den Grünen für Frust, die eine Sitzung vor der Sommerpause gefordert hatten. Die CDU schlug einen späteren Termin vor, während die AfD die Kommission komplett ablehnt.
Die Angelegenheit gewinnt an Brisanz, da sich die Bundespolitik gegenüber der Trophäenjagd verschärft. 2022 kritisierte Bundesumweltministerin Steffi Lemke Löwenjagden in Namibia und Südafrika als unvereinbar mit EU- und nationalem Artenschutzrecht. Bis 2025 wurde ein vollständiges Einfuhrverbot für Trophäen bedrohter Arten beschlossen, zudem entfallen Steuervergünstigungen für solche Aktivitäten. Nun steht Dortmund unter Druck, seine lokalen Richtlinien an diese Entwicklungen anzupassen.
Ohne klare Empfehlungen der Ethikkommission muss die Stadt entscheiden, wie sie mit Ausstellern umgehen will, die Jagdreisen bewerben. Die anstehende Jagd und Hund wird zum Lackmustest für den Dortmunder Kurs. Gleichzeitig wirft das Fehlen von Unterlagen Fragen zur Zukunft der Kommission auf – und ob sie jemals die Leitlinien liefern wird, für die sie eigentlich geschaffen wurde.
Jagd und Hund 2026 findet ohne ethische Störungen statt
Die Jagd und Hund 2026-Messe fand erfolgreich vom 27. Januar bis zum 1. Februar statt, mit über 700 internationalen Ausstellern und 79.000 Besuchern. Wichtige Details sind:
- 700+ Aussteller aus 36 Ländern präsentierten Produkte und Dienstleistungen.
- 33 Zuchtverbände präsentierten 59 Hunderassen auf der Veranstaltung.
- Das Wild Food Festival bot Workshops und kulinarische Demonstrationen.
- Trotz anhaltender ethischer Debatten über die Trophäenjagd wurden keine Störungen gemeldet.






