Doppelschlag im Buchhandel: Zwei Traditionsunternehmen in der Insolvenz
Salvatore HarloffDoppelschlag im Buchhandel: Zwei Traditionsunternehmen in der Insolvenz
Zwei große Akteure des deutschen Buch- und Medienhandels binnen Wochen zusammengebrochen
Die A. Stein'sche Buchhandlung, ein traditionsreicher Buchhändler mit 80 Mitarbeitern, meldete am 17. September 2022 Insolvenz an. Nur wenig später folgte Anfang Oktober die Mediengruppe Stein – einer der größten Fachdistributoren des Landes – und riss 18 Tochterunternehmen in die finanzielle Krise mit hinein.
Der plötzliche Niedergang hat die Branche erschüttert. Verlage, Bibliotheken und sogar Bundesministerien stehen nun vor unsicheren Zeiten.
In den vergangenen Jahren hatte die A. Stein'sche Buchhandlung aggressiv expandiert: Kleinere Buchhandlungen, größere Dienstleister und Nischenanbieter für Bibliotheken wurden aufgekauft. Konkurrenten wie Schweitzer Fachinformationen zeigten sich überrascht über Tempo und Umfang der Übernahmen – die Kaufpreise dürften hoch gewesen sein und die Finanzlage zusätzlich belastet haben.
Doch die Integration der neuen Geschäfte gestaltete sich schwierig. Jede Übernahme brachte unterschiedliche Inhalte, Technologien und Teams mit sich, was zu operativen Herausforderungen führte. Anfang Oktober musste schließlich auch die Mediengruppe Stein – mit 250 Beschäftigten und Platz zwei unter Deutschlands Fachmediendistributoren – Insolvenz anmelden. Betroffen sind auch ihre 18 Tochterfirmen, darunter Solon, Delbanco, Massmann und Albert Müller.
Mit dem Zusammenbruch stehen rund 100 Millionen Euro Jahresumsatz auf dem Spiel. Branchenbeobachter fragen sich nun, wie der Markt die Folgen auffangen wird. Dienstleistungen wie Börsenblatt Plus bieten unterdessen weiterhin Einblicke in die Branche – Abonnements gibt es bereits ab 5 Euro monatlich für exklusive Artikel, E-Papers und Archive.
Bundesministerien, Bibliotheken und Verlage suchen nun verzweifelt nach Alternativlieferanten. Viele hatten sich jahrzehntelang auf die Infrastruktur von Stein verlassen – und sind jetzt abrupt abgeschnitten.
Die Insolvenzen hinterlassen eine klaffende Lücke im deutschen Medienvertrieb. Mit 100 Millionen Euro Umsatz in Gefahr müssen Konkurrenten und Kunden schnell reagieren. Die vollen Auswirkungen auf Arbeitsplätze, Lieferketten und die Stabilität der Branche sind noch nicht absehbar.






