02 April 2026, 14:12

Digitale sexualisierte Gewalt trifft fast jeden zweiten Jugendlichen in Deutschland

Eine Australienkarte mit rot schattierten Bereichen, die den Prozentsatz von Minderjährigen je Bundesstaat anzeigen, begleitet von Text, der unten besagt: "Minderjährige können wegen einvernehmlichen Sex auf die Sex-Täter-Liste gesetzt werden."

Digitale sexualisierte Gewalt trifft fast jeden zweiten Jugendlichen in Deutschland

Digitale sexualisierte Gewalt gegen Jugendliche nimmt in Deutschland zu – fast die Hälfte der jungen Menschen ist betroffen

Aktuelle Studien zeigen, dass digitale sexualisierte Gewalt gegen Kinder und Jugendliche in Deutschland stark zugenommen hat. Eine aktuelle Auswertung der Jugendsexualität-Studie offenbart eine breite Palette von Vorfällen – von Cybergrooming bis zur ungewollten Verbreitung intimer Bilder. Expert:innen warnen, dass Lücken im Rechtssystem, gestiegene Internetnutzung und mangelnde Präventionsmaßnahmen die Problematik verschärfen.

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Eine Studie des Bundesinstituts für öffentliche Gesundheit (BIÖG) aus dem Jahr 2026 ergab, dass 64 Prozent von 5.855 befragten jungen Menschen – darunter auch Minderjährige – bereits Formen digitaler sexualisierter Gewalt ohne körperlichen Kontakt erlebt hatten. Dazu zählen Cybergrooming, bei dem Täter:innen Kinder gezielt im Netz ansprechen, um sie später zu missbrauchen, sowie sexualisierte Beleidigungen und die ungewollte Verbreitung expliziter Aufnahmen. Zwar gibt es keine direkten Vergleichsdaten aus der Zeit vor 2020, doch deuten Berichte auf ein wachsendes Problem hin – sei es durch gestiegenes Bewusstsein oder tatsächlich häufigere Vorfälle im Zuge der zunehmenden Digitalisierung des Alltags.

Der Deutsche Juristinnenbund kritisiert unzureichende rechtliche Schutzmechanismen, insbesondere bei Deepfakes und bildbasierter Gewalt. Viele Übergriffe geschehen zudem im eigenen Umfeld, oft aus Unwissenheit oder mangelnder Medienkompetenz. Lehrkräfte fühlen sich häufig überfordert und können betroffene Schüler:innen nicht angemessen unterstützen.

Als Reaktion auf diese Entwicklung leitete die Expertin Yasmina Ramdani ein dreijähriges Pilotprojekt in Thüringen, in dessen Rahmen Präventionsworkshops für 5.000 Schüler:innen durchgeführt wurden. Finanziert von der Landesbeauftragten für den Kinderschutz, war die Initiative bundesweit einzigartig. Ramdani betont, dass der Schutz von Kindern nur gelingen kann, wenn Eltern, Schulen und die Gesellschaft insgesamt Verantwortung übernehmen.

Die Debatte um digitale Gewalt hat durch prominente Fälle wie die Vorwürfe von Collien Fernandes gegen ihren Ex-Mann zusätzlich an Brisanz gewonnen. Fachleute fordern nun strengere Gesetze, eine bessere Aufklärung über digitale Risiken und mehr Unterstützung für Lehrkräfte. Ohne gezielte Gegenmaßnahmen droht sich das Problem weiter zu verschärfen – besonders, da junge Menschen immer mehr Zeit online verbringen.

Quelle