Deutsche Wirtschaft in der Krise: Warum nur wenige Unternehmen vorbereitet sind
Janin FinkeDeutsche Wirtschaft in der Krise: Warum nur wenige Unternehmen vorbereitet sind
Deutsche Unternehmen könnten in einer großen Krise kämpfen – Studie des Instituts der deutschen Wirtschaft (IW) zufolge
Laut einer neuen Untersuchung des Instituts der deutschen Wirtschaft (IW) sind viele Unternehmen in Deutschland auf eine schwere Krise nur unzureichend vorbereitet. Zwar haben einige Betriebe Vorsorgemaßnahmen getroffen, doch die Mehrheit bleibt anfällig für gravierende Störungen wie Materialengpässe, Cyberangriffe oder Personalmangel. Die Ergebnisse zeigen Lücken in der wirtschaftlichen Widerstandsfähigkeit des Landes – besonders brisant in einer Zeit, in der nationale Verteidigung und Versorgungssicherheit zunehmend an Bedeutung gewinnen.
Wie der IW-Bericht offenlegt, ist nur ein kleiner Teil der Firmen auf ernsthafte Notlagen eingestellt: Lediglich 3 Prozent verfügen über Pläne für Materialknappheit, und nur 4 Prozent sind auf großflächige Personalausfälle vorbereitet. Noch weniger – unter 5 Prozent – halten Reservelieferverträge vor, um in Krisenzeiten kritische Güter zu sichern.
Im Bereich Cybersicherheit schneiden die Unternehmen am besten ab: 86 Prozent geben an, wirksame Schutzmaßnahmen gegen digitale Bedrohungen zu haben. Viele haben zudem Vorkehrungen gegen Desinformation, Sabotage und Spionage getroffen. Doch bei der allgemeinen betrieblichen Resilienz gibt es weiterhin Defizite. Einige Großunternehmen haben bereits Schritte unternommen, um ihre Krisenfestigkeit zu stärken. Die Deutsche Bahn AG etwa hat ein eigenes Team für Unternehmenssicherheit und Krisenmanagement aufgebaut, das sich mit Personalengpässen und Materialstörungen befasst. Die MEG Jessen GmbH (Teil der Schwarz Gruppe, zu der Lidl und Kaufland gehören) sichert ihre Betriebsabläufe durch Schichtplanung, Hygienekontrollen und Resilienztrainings ab.
Insgesamt können 24 Prozent der Betriebe Infrastrukturengpässe bewältigen, weitere 17 Prozent planen die Einführung ähnlicher Maßnahmen. Das IW betont, dass wirtschaftliche Stabilität für die nationale Verteidigung entscheidend ist – insbesondere zur Unterstützung der östlichen NATO-Flanke. Ein starker Konjunktureinbruch könnte die öffentliche Rückendeckung für Verteidigungsanstrengungen schwächen, während mangelnde Vorbereitung die Produktion von Militärgütern, die Mobilisierung der Arbeitskräfte und die Sicherheit der Lieferketten gefährden könnte.
Die Studie kommt zu dem Schluss, dass die deutsche Wirtschaft auf eine großflächige Krise noch nicht ausreichend vorbereitet ist. Ohne eine stärkere Einbindung der Unternehmen in die Verteidigungsplanung bestehen weiterhin Risiken für die Versorgungssicherheit und die militärische Unterstützung. Das IW fordert eine systematische Abstimmung zwischen Wirtschaft und Politik, um diese Lücken zu schließen.






