Bürgerprotest in Wegberg: Warum der Schienenausbau Naturschutzgebiete bedroht
Salvatore HarloffBürgerprotest in Wegberg: Warum der Schienenausbau Naturschutzgebiete bedroht
Bürgerinitiative in Wegberg kämpft gegen Ausbau des Schienenverkehrs auf zwei Regionalstrecken
In Wegberg kämpft eine Bürgerinitiative gegen Pläne zum Ausbau des Schienenverkehrs auf zwei lokalen Strecken. Die Gruppe Iron Rhine 2.0 – Wegberg lebenswert erhalten argumentiert, dass die Projekte Naturschutzgebiete bedrohen und das Wohlbefinden der Anwohner beeinträchtigen. In einem offenen Brief an die Deutsche Bahn und Bundesverkehrsminister Volker Wissing fordert die Initiative Antworten zu Finanzierung, Umweltrisiken und der Ablehnung einer historischen Alternativroute.
Unterdessen haben niederländische Behörden eine Wiederbelebung der alten Eisenbahntrasse Eiserner Rhein durch den Nationalpark De Meinweg ausgeschlossen. Damit bleiben lokalen Aktivisten weniger Möglichkeiten, die Ausbaupläne anzufechten.
Im Mittelpunkt des Streits stehen Vorhaben, den Zugverkehr auf den Strecken Mönchengladbach–Wegberg–Roermond und Elmpt–Arsbeck auszuweiten. Geplant sind über 70 Personenzüge täglich, zusätzlich könnten Güterverbindungen hinzukommen. Die Bezirksregierung Köln wies kürzlich lokale Einwände zurück und erlaubte Güterzüge für den Industriepark Javelin in Elmpt.
Kritiker fragen sich, warum diese Strecken – die weder im Bundesverkehrswegeplan 2030 verzeichnet sind – priorisiert werden. Die Verbindung nach Mönchengladbach taucht erst im weniger verbindlichen Netzplan 2032/2040 auf, und selbst dann hängt sie von noch offenen Absprachen mit den Niederlanden ab. In ihrem Schreiben an Bahnchefin Evelyn Palla und Minister Wissing hinterfragt die Initiative, wie der Ausbau nicht priorisierter Strecken mit strengen Regeln für öffentliche Ausgaben vereinbar sei. Die Gruppe stellt zudem die Kosten-Nutzen-Analysen und Sicherheitsangaben der Deutschen Bahn infrage. Gefordert werden unabhängige Studien, um die Umwelt- und Betriebsrisiken des Unternehmens zu überprüfen.
Ein weiterer zentraler Punkt ist die Klärung, ob öffentliche Mittel aufgrund des Widerstands der Bahn blockiert oder umgelenkt werden. Die Initiative verlangt zudem Auskunft über Alternativrouten und ob Steuergelder für Lärmschutzwälle, Sicherheitsnachrüstungen oder den Artenschutz eingesetzt werden.
Vor Ort wächst die Sorge über die Folgen des verstärkten Zugverkehrs. Anwohner fürchten Lärm, Luftverschmutzung und die Zerstörung geschützter Gebiete im Naturpark Maas-Schwalm-Nette. Die Weigerung der niederländischen Regierung, die Trasse des Eisernen Rheins – einst eine mögliche Lösung – erneut zu prüfen, hat die Frustration weiter verstärkt. Die Aktivisten pochen nun auf mehr Transparenz in der deutschen Schienenverkehrsplanung.
Die Initiative Iron Rhine 2.0 bleibt hartnäckig und drängt auf Antworten zu Finanzierung, Umweltschutzmaßnahmen und der Begründung für den Ausbau. Ohne Kurskorrektur werden die Pläne vorangetrieben – mit mehr Zügen durch Wegberg und die umliegenden Naturschutzgebiete. Die Entscheidung wird zeigen, wie sich lokale Belange mit den übergeordneten Zielen der deutschen Verkehrsinfrastruktur in Einklang bringen lassen.






