27 January 2026, 06:23

Berlins Kunstszene feiert Jubiläen – doch der Glanz trügt oft gewaltig

Ein alter, detaillierter Stadtplan von Berlin auf Papier, der Straßen, Gebäude und Sehenswürdigkeiten zeigt.

Berlins Kunstszene feiert Jubiläen – doch der Glanz trügt oft gewaltig

Berlins Kunstszene begeht in diesem Jahr mehrere Jubiläen – doch viele Feiern wirken hohl. Während die Museen der Stadt runde Jahrestage mit Eile begehen, fragen Kritiker, ob diese Veranstaltungen echte Leistungen widerspiegeln oder nur von tieferliegenden Problemen ablenken. Das jüngste Beispiel ist die Entscheidung der Neuen Nationalgalerie, ihren prestigeträchtigen Preis einem umstrittenen Künstler zu verleihen, statt Nachwuchstalente zu fördern.

Die Neue Nationalgalerie hat den 65-jährigen Maurizio Cattelan zum Gewinner des Nationalgalerie-Preises 2026 gekürt. Der Preis umfasst eine Einzelausstellung – eine Tradition, die eigentlich den Ruf des Museums und das kulturelle Ansehen der Stadt stärken soll. Doch Cattelan, längst eine globale Größe, steht seit Langem in der Kritik; manche spotten sogar, sein Werk sei eher ein Gimmick als bahnbrechend.

Anderswo klammert sich Berlins Kulturbetrieb an Jubiläen als Grund zum Feiern. Die Museumsinsel beging kürzlich ihr 200-jähriges Bestehen, obwohl das Pergamonmuseum seit 2013 geschlossen ist und kein festes Wiedereröffnungsdatum hat. Der Hamburger Bahnhof, nun 30 Jahre alt, verliert seine Funktion als Ausstellungsort für die Sammlung der Nationalgalerie – was Zweifel an der Bedeutung seines Jubiläums aufkommen lässt. Unterdessen drängt Kurator Walter Smerling darauf, den Flughafen Tempelhof für eine öffentlich finanzierte Ausstellung anzumieten, wobei er auf politische Verbindungen setzt, um die Genehmigung zu sichern. Der Vorstoß unterstreicht einen größeren Trend: Statt durchdachter Programme zu entwickeln, jagd Berlins Kunstwelt dem Spektakel hinterher. Selbst der 4. Juli – der 250. Jahrestag der amerikanischen Unabhängigkeit – blieb von lokalen Institutionen unbeachtet. Der Kontrast zu anderen deutschen Städten ist frappierend. Münchens Pinakothek der Moderne und Berlins eigene Berlinische Galerie haben mit großer Resonanz tiefgründige Ausstellungen gezeigt. Doch in Berlin scheint der Fokus auf Zahlen statt auf Inhalten zu liegen – jedes durch fünf teilbare Jubiläum wird zum Anlass für Pomp.

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Die Preisvergabe an Cattelan und die Flut der Jubiläen offenbaren ein Muster in Berlins Kulturbetrieb. Statt in aufstrebende Künstler oder sinnstiftende Projekte zu investieren, setzen die Institutionen auf etablierte Namen und willkürliche Daten. Angesichts der wachsenden Dysfunktion in der Stadt tragen diese Feiern wenig dazu bei, die eigentlichen Herausforderungen der Kunstszene zu bewältigen.