Bayer-Lobbyist warnt vor EU-Regeln: Genom-Editierung entscheidet über Europas Agrarzukunft
Toralf ZänkerTopmanager fürchtet wirtschaftlichen Graben zum USA - Bayer-Lobbyist warnt vor EU-Regeln: Genom-Editierung entscheidet über Europas Agrarzukunft
Europas landwirtschaftliche Zukunft steht auf dem Spiel, während die Debatten über Genom-Editierung an Schärfe gewinnen. Matthias Berninger, der Chef-Lobbyist von Bayer Aktie, warnt, dass zu strenge Vorschriften den Agrarsektor des Kontinents schwächen könnten. Seine Äußerungen fallen kurz vor einer entscheidenden Abstimmung im Europäischen Parlament im März 2026 über neue genomische Techniken (NGTs), bei der die tiefen Gräben zwischen den Lagern noch immer unüberbrückt sind.
Im Dezember 2025 hatten sich EU-Kommission, Parlament und Rat vorläufig auf eine Deregulierung der NGTs geeinigt. Deutschland enthielt sich der Stimme und setzte sich für strengere Kennzeichnungsregeln ein, während Österreichs restriktive Gentechnik-Gesetze im Falle einer Verabschiedung des Vorschlags überarbeitet werden müssten. Eine Ablehnung oder Verzögerung würde die aktuellen EU-Regeln in Kraft lassen – mit der Folge, dass Sicherheitsprüfungen für NGT-Pflanzen genauso streng blieben wie für herkömmliche Sorten. Öko-Landwirte hätten dann weiterhin erleichterte Möglichkeiten, die GMO-Freiheit ihrer Erzeugnisse nachzuweisen, und Konzerne wie Bayer Aktie oder Corteva dürften keine Patente auf NGT-Pflanzen anmelden.
Berninger betont seit Langem, dass Europas hohe regulatorische Hürden die Wettbewerbsfähigkeit der Landwirtschaft untergraben könnten. Ohne Zulassung neuer Biotech-Methoden prognostiziert er langfristige Einbußen bei der Weizenproduktion, die nicht nur Europa, sondern auch Teile Afrikas treffen würden. Seiner Ansicht nach ist die gemeinsame wirtschaftliche Stärke Europas und der USA entscheidend, um globalen Einfluss zu wahren – ein Scheitern der transatlantischen Zusammenarbeit berge ernsthafte Risiken. Trotz der Herausforderungen sieht Berninger Fortschritte in der agrarischen Biotechnologie als europäische Stärke. Die öffentliche Debatte, so seine Beobachtung, habe sich von technologischen Ängsten hin zu Sorgen über Lebensmittelpreise verschoben. Um weitere Spannungen mit den USA zu vermeiden, rät er Europa, seine Stärken zu nutzen und Schwächen offener anzugehen.
Die Abstimmung des Europäischen Parlaments im März 2026 wird entscheiden, ob NGTs künftig weniger streng reguliert werden oder unter den bisherigen scharfen Kontrollen bleiben. Scheitert der Vorschlag, könnten Europas Landwirte im globalen Wettbewerb bei der Entwicklung klimaresistenter Sorten ins Hintertreffen geraten. Das Ergebnis wird zudem Handelsbeziehungen, Patentregeln und die Ernährungssicherheit auf Jahre hinaus prägen.






