Ahmad Mansour warnt: Wie die Empörungskultur unsere Demokratie gefährdet
Agata HübelAhmad Mansour warnt: Wie die Empörungskultur unsere Demokratie gefährdet
Der Psychologe und Extremismusforscher Ahmad Mansour warnt vor einer wachsenden "Empörungskultur" in der Gesellschaft. Seiner Ansicht nach werden alltägliche Formulierungen zunehmend überanalysiert und auf politische Bedeutungen hin untersucht – auf Kosten der Auseinandersetzung mit echten Problemen.
Mansour verweist darauf, dass sich 76 Prozent der Deutschen nicht mehr trauen, ihre Meinung frei zu äußern, aus Angst, als etwas abgestempelt oder missverstanden zu werden. Dies sei ein Zeichen für eine schwindende Streitkultur, insbesondere auf kommunaler Ebene, wo unterschiedliche Ansichten ausgehalten werden sollten, statt sie zum Schweigen zu bringen.
Er kritisiert symbolische Gesten wie die Umbenennung von Spielplätzen in "Spiel- und Bewegungsflächen" als Ablenkung von der Bewältigung echter Herausforderungen. Sprache, betont er, entwickle sich durch Gebrauch – nicht durch Beschlüsse von Gremien.
Zur Frage von Regenbogenflaggen an öffentlichen Gebäuden bezieht Mansour eine differenzierte Position: Symbole könnten konkrete Politik nicht ersetzen. Gleichzeitig warnt er davor, Neutralität mit Feigheit zu verwechseln, und fordert entschlossenes Handeln gegen Diskriminierung.
Mansour mahnt, dass sich Kommunen nicht von lauten Minderheiten beeinflussen lassen dürften. Stattdessen sollten Entscheidungen auf Fakten basieren und ein offener Dialog gefördert werden. Für ihn hängt die Zukunft der Demokratie von lokalen Debatten und der Fähigkeit ab, Unterschiede auszuhalten. Echte demokratische Stärke liege darin, sich mit gegensätzlichen Positionen auseinanderzusetzen – und nicht darin, sie zu meiden.






