21 December 2025, 11:00

AfD: Keine Fingerhakeln für die BRD

Ein Buchumschlag mit Armee-Panzern und Jeeps in einer KriegsSzene mit Text darüber.

AfD: Keine Fingerhakeln für die BRD

AfD: Kein Fingerkrümmen für die BRD

Teaser: Seit der Abstimmung über das Wehrdienstmodernisierungsgesetz gibt es in der AfD Streit über das Verhältnis der Partei zum Militär. Ein Bundestagsabgeordneter erhielt einen Verweis – weil er Björn Höcke kritisiert hatte.

17. Dezember 2025, 06:16 Uhr

Eine hitzige Debatte über die Wehrpflicht und die Rolle der Bundeswehr spaltet die AfD. Der Konflikt entzündete sich, nachdem die Partei einen Gesetzentwurf zur Modernisierung des Wehrdienstes abgelehnt hatte. Der ehemalige Offizier und AfD-Abgeordnete Rüdiger Lucassen geriet dabei in offenen Streit mit dem einflussreichen Parteimitglied Björn Höcke – ihre Positionen könnten kaum gegensätzlicher sein.

Im Kern geht es um eine grundsätzliche Frage: Was – und wen – lohnt es in Deutschland heute zu verteidigen?

Ausgelöst wurde der Streit durch die Ablehnung des Regierungsentwurfs zur Wehrdienstreform. Viele ehemalige Soldaten in der AfD zeigten sich verärgert über diese Entscheidung. Lucassen, selbst Ex-Offizier, argumentierte, eine schlagkräftige Bundeswehr und die Wehrpflicht seien unverzichtbar. Höcke warf er vor, die Landesverteidigung zu untergraben, indem er infrage stelle, ob das heutige Deutschland überhaupt verteidigenswert sei.

Höcke konterte scharf: Er werde für das „Fortbestehen Deutschlands“ kämpfen und sterben – aber nicht für die Bundesrepublik. Seine Äußerungen spiegeln eine tiefere Spaltung in der AfD wider, zwischen „völkischen“ Nationalisten, die die ethnische Identität in den Vordergrund stellen, und Konservativen, die sich auf staatliche Institutionen konzentrieren. Höcke und seine Verbündeten in der Neuen Rechten ziehen eine klare Trennlinie zwischen dem „deutschen Volk“ und der demokratischen Republik – nur Ersteres verdiene Schutz, so ihre Position.

Eine dritte Stimme in der Debatte kommt von Götz Kubitschek, einer Schlüsselfigur des Antaios-Verlages. Zwischen 2023 und 2024 veröffentlichte er mehrere Schriften, die für die Wiedereinführung der Wehrpflicht warben, darunter im November 2023 den Essay „Pflichtwehrdienst jetzt!“ In Artikeln für die Zeitschriften „Sezession“ und „Compact“ betont er zwar die Notwendigkeit der Wehrpflicht, kritisiert aber den aktuellen Zustand der Bundeswehr als schwach und „ideologisch unterwandert“. Kubitscheks Lager teilt zwar Lucassens Forderung nach einer starken Armee, lehnt die heutigen Streitkräfte jedoch als „zu woke“ und handlungsunfähig ab.

Der Konflikt hat bereits Konsequenzen: Lucassen erhielt von seiner Fraktion einen offiziellen Verweis, weil er Höcke öffentlich angegriffen hatte. Doch von einer Beruhigung der Lage ist nichts zu spüren – die Partei bleibt zerrissen in der Frage, wie die künftige Sicherheitspolitik Deutschlands aussehen soll.

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Die inneren Kämpfe der AfD offenbaren tiefe Gräben bei der Frage nach nationaler Identität und militärischer Ausrichtung. Während Lucassen eine schlagkräftige Bundeswehr fordert, lehnt Höcke den bestehenden Staat ab. Kubitscheks Anhänger wiederum pochen auf die Wehrpflicht, verwerfen aber die aktuelle Entwicklung der Armee.

Nach ersten disziplinarischen Maßnahmen steht die Partei nun vor der Herausforderung, diese widerstreitenden Visionen unter einen Hut zu bringen – oder riskiert weitere Zersplitterung.